Grenzen verschwimmen

Erstellt am 04. August 2022 | 05:27
Lesezeit: 3 Min
über den stetigen Anstieg der Zahl der Flüchtlingsaufgriffe und dessen Auswirkungen.
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Mehr als 1.000 Flüchtlingsaufgriffe wöchentlich sind es mittlerweile, die von der Polizei im Burgenland durchgeführt werden – zum Vergleich: 6.500 waren es im gesamten Jahr 2016. Im Mittelburgenland, das sich neben dem Bezirk Neusiedl zu einem Hotspot in Sachen Flüchtlingsthematik entwickelt hat, waren es im Jahr 2019 noch 85 Aufgriffe, im Jahr 2020 457 und 2021 schon 9.239.

Heuer zählte man allein in der Kalenderwoche 29 874 Flüchtlingsaufgriffe im Mittelburgenland. Diese steigenden Zahlen belegen einerseits einen hohen Migrationsdruck und ein hohes Maß an menschlichem Leid, denn niemand verlässt wohl grundlos seine Heimat, um sich auf eine gefährliche Reise in ein besseres Leben zu machen.

Andererseits sind diese Zahlen aber Ausdruck der steigenden Belastung für Bevölkerung und Behörden. Und dabei ist nicht vorrangig die Rede von Einzelfällen wie jener, wo ein Flüchtling einer Soldatin einen Faustschlag ins Gesicht versetzt hat, der, so untragbar so etwas ist, nicht pars pro toto für die allgemeine Lage gesehen werden darf. Auch laut Polizei könne man sich sicher fühlen, weil sich die Kriminalität an der Grenze auf Schlepperei beschränke und die steigende illegale Migration etwa keinen Anstieg an Eigentumsdelikten mit sich gebracht habe.

Aber stellen Sie sich vor, Sie liegen im Bikini im Liegestuhl mit einem Buch in der Hand und plötzlich wandern 15 fremde Männer mit Sack und Pack quer durch Ihren Garten. Oder Sie sind Waldbesitzer und müssen alle paar Wochen Schuhe, Schlafsäcke und andere Hinterlassenschaften der Flüchtlinge aus Ihrem Wald klauben und auf Ihre Kosten entsorgen.

Oder kurz vor Mitternacht läutet es an Ihrer Tür und als Sie das Fenster öffnen, um nachzusehen, stehen einige Migranten davor, die nach dem Weg fragen. Allesamt keine fiktiven Beispiele, sondern Situationen, die sich in Grenzgemeinden abgespielt haben und sich so oder ähnlich täglich neu abspielen. Sie tragen dazu bei, dass die Grenzen zwischen Verständnis und Mitgefühl fürs Leid der Flüchtlinge und der Belastbarkeit der Bevölkerung und Behörden zunehmend verschwimmen.