„Haben die denn einen Vogel?“. Markus Stefanitsch über die ausgezeichnete Weinernte 2017 und den Staatsfeind Nr. 1, den Star.

Von Markus Stefanitsch. Erstellt am 01. November 2017 (03:40)

In den Zeiten von Gemeinderats-, Nationalrats- und Stichwahlen ist im Herbst eines unserer wichtigsten Kultur- und Wirtschaftsgüter fast untergegangen: der Wein.

Burgenlands Winzer produzieren im Jahr 2017 Wein für knapp 100 Millionen Flaschen. Aber nicht nur die Quantität passt (um knapp 130 Prozent mehr als im Vorjahr), sondern vor allem die Qualität soll die Herzen der Weinliebhaber heuer höher schlagen lassen. Auch wenn man nicht vorschnell von einem Jahrhundert-Jahrgang sprechen soll (in den vergangenen Jahren wurde das Wort von einigen „Marketing-Winzern“ fast schon inflationär verwendet), stehen die Vorzeichen für dieses Jahr besonders gut.

Wobei man generell erwähnen muss, dass man im Burgenland insgesamt keinen schlechten Wein mehr bekommt. Geschmäcker sind verschieden, aber vom Handwerk her sind unsere Winzer insgesamt auf sehr hohem Niveau. Dieser Qualitätsstandard hat sich über die Jahre nach dem Weinskandal 1985 (Stichwort „Glykol“), bei dem das Ansehen unserer Weinbauern am Boden war, enorm entwickelt und das Burgenland steht heute für Wein auf höchstem Niveau.

In der heutigen Zeit kämpfen aber unsere Winzer vor allem mit einem „Feind“ im Weingarten: dem Star. Schätzungsweise bis zu fünf Millionen Kilo Trauben fressen die Vögel jährlich im Burgenland. Das bedeutet oft hohe jährliche Verluste für die Winzer. Versicherung dagegen gibt es keine.

Verständlich, dass die Aufregung bei den Weinbauern groß ist, wenn der Star zum Vogel des Jahres gekürt wird. „Haben die denn einen Vogel?“, fragt sich der eine oder andere Winzer zu Recht und fordert Entschädigungen sowie Maßnahmen von der Politik für die vielen Ernteausfälle.