„Karotte der Macht“ wurde für Rendi-Wagner zur sauren Gurke

Über das „Kunststück“ der SPÖ trotz Regierungskrise kaum Kapital zu schlagen und warum es für die ÖVP im Burgenland jetzt nicht leichter werden wird.

Erstellt am 14. Oktober 2021 | 03:09

Landeshauptmann Hans Peter Doskozil wird immer wieder vorgeworfen, medial stets nur das Gegenteil von SPÖ-Bundeschefin Pamela Rendi-Wagner zu behaupten, um sich die nationalen Schlagzeilen zu sichern.

Dass dies nicht automatisch passiert, sondern dem generell fehlenden politischen Gespür Rendi-Wagners geschuldet ist, wurde in der aktuellen Regierungskrise rund um scheinbar gekaufte Meinungsumfragen im Boulevard einmal mehr offenkundig: Pamela Rendi-Wagner hat es nicht geschafft, in der bisher „schwärzesten“ Stunde der Türkisen politisches Kapital zu schlagen. Im Gegenteil: Mit ihrer spürbaren öffentlich kundgetanen Vorfreude mittels möglicher Vier-Parteien-Koalition (inklusive FPÖ) die Kanzlerschaft zu ergattern, hat sie wesentliche Grundsätze der SPÖ in der Sekunde über Bord geworfen und somit ihrer Partei für die nächste Zeit ein massives Glaubwürdigkeitsproblem „umgehängt“. Die Bereitschaft, mit der FPÖ zu koalieren, aber am Ende keine Vier-Parteien-Koalition erreicht zu haben, ließ die „Karotte der Macht“, die scheinbar näher als je zuvor vor Rendi-Wagners Nase baumelte, mit einem Schlag zur sauren Gurke werden.

Landeshauptmann Hans Peter Doskozil hingegen will Neuwahlen und habe, wie er meint, keine Angst vor dem Wähler. Wohlwissend, dass die Spitzenkandidatin nicht Pamela Rendi-Wagner sein kann. Das hat sie wieder einmal eindrucksvoll bewiesen. Ob er es sein wird, ist ungewiss. Ob er es sein will, ist in vielen Aussagen und Nebensätzen erkennbar. Dazu bräuchte es aber eine geeinte SPÖ – und davon ist man im Moment weit entfernt.

Für die ÖVP Burgenland wird die Lage auch nicht leicht. Man kann nicht jubelnd für Sebastian Kurz auftreten, zu schwer wiegen die Vorwürfe. Andererseits ist er nach wie vor Parteichef und gibt die Linie vor. Und das wird sie bei jeder Kritik an der Landes-SPÖ zu hören bekommen.