Keine Zeit für die Herbst-Müdigkeit. Über den langen Atem, den Corona Politik wie Bevölkerung abverlangt.

Von Wolfgang Millendorfer. Erstellt am 22. Oktober 2020 (04:45)

Was wenn nicht ausgerechnet eine Pandemie könnte nicht zuletzt auch eine Chance für die (weltweite) Solidarität sein? Diese rhetorische Frage war schon im Frühjahr relativ rasch beantwortet, als sich von Nation zu Nation unterschiedliche Herangehensweisen an die Corona-Krise abzeichneten und mit wachsender Anspannung erste Ressentiments zutage traten. Nichtsdestotrotz gibt es diesen Zusammenhalt in mancher Hinsicht nach wie vor.

In Österreich hielt das Wir-Gefühl vergleichsweise lange an, es trug die Bevölkerung trotz Kritikern und Skeptikern gewissermaßen durch den Lockdown. Nach dem rückblickend lockeren Umgang mit der gesundheitlichen Krise im Sommer und im Angesicht der – auch wirtschaftlich – gefürchteten zweiten Welle im Herbst und Winter, macht sich mitunter eine regelrechte „Corona-Müdigkeit“ bemerkbar.

Politisch zeigt sich das Auseinanderdriften der Meinungen ebenso immer stärker. Hier geht es nicht so streng wie sonst nach Parteifarben, hier gibt es auch zwischen Ländern und Bund unterschiedliche Ansprüche. Zugleich hat jedes Bundesland seine eigenen Ansichten, wie sich aktuell etwa in der Sorge um den Wintertourismus zeigt, die im Westen naturgemäß stärker ausgeprägt ist als im Osten. Dabei gilt es aber nicht zu vergessen: Es geht immer um das große Ganze, in diesem Fall eben um den Tourismus.

Die finanzielle Anspannung, die in sämtlichen Bereichen längst spürbar ist, steuert das Ihrige zur Verunsicherung bei. Da liegt es an der Politik, den Menschen Sicherheit zu geben. Und womöglich ein (neues) Wir-Gefühl anzustoßen, denn in schwierigen Zeiten wie diesen ist Müdigkeit kein guter Begleiter.