Taschenspieler tricksen auch so. Über die Folgen des Prüf-Debakels bei der Commerzialbank.

Von Markus Stefanitsch. Erstellt am 10. September 2020 (06:18)

Je mehr Abläufe vom Commerzialbank-Skandal Woche für Woche bekannt werden, umso mehr steigt die Fassungslosigkeit. Vor allem über das Kontrollversagen in allen Bereichen. Wenn es stimmt, dass ein sogenannter „Whistleblower“ bereits 2015 auch konkrete Fake-Kredite genannt hatte und dies von den Behörden nicht einmal geprüft wurde, dann ist das der Gipfel des kollektiven Versagens.

Ob diese Kredite mit tollen Konditionen und ohne Sicherheiten real existierten, hätte innerhalb kurzer Zeit ohne Aufwand überprüft werden können. Und als Laie wundert man sich darüberhinaus, warum derartige simple Kontrollmechanismen nicht selbstverständlich auch ohne geheime Informanten eingesetzt werden.

Scheinbar hat Ex-Nationalbank-Gouverneur Claus Raidl recht, wenn er fordert, künftig wieder Banken von einem Kontrollgremium auf Herz und Nieren prüfen zu lassen – und nicht wie zuletzt von verschiedenen Instanzen, wo die eine Hand nicht weiß, was die andere macht. Oder sich einfach drauf verlässt, dass andere bereits geprüft haben. Viele Prüfer verderben scheinbar den Brei.

Dass das System von Bankchef Martin Pucher an Dreistigkeit und krimineller Energie nicht zu überbieten war, ist die eine Sache. Dass sich sämtliche Prüforgane aber mit scheinbar einfachsten Taschenspieler-Tricks peinlichst über den Tisch haben ziehen lassen, muss Konsequenzen haben. Und zwar jene, dass der Staat für den Schaden haften muss. Denn bis jetzt haben nur die anderen Banken über die Einlagensicherung die Sparer entschädigt. In Corona-Zeiten würde das bedeuten, dass der Staat heuer statt 50 Milliarden schlimmstenfalls 50,75 Milliarden bereitstellen muss.