Wer Macht hat, macht die Regel. Über Politiker, die sich die Wähler aussuchen.

Von Markus Stefanitsch. Erstellt am 18. Juni 2020 (04:55)

„Rot bis in den Tod“ bei der SPÖ oder „Einmal schwarz, immer schwarz“ bei der ÖVP– so hat es in früheren Zeiten immer geheißen, wenn es um die jeweilige Parteimitgliedschaft gegangen ist. Doch dieses sture Parteidenken gibt es schon längst nicht mehr. Zumindest bei einem Großteil der Bevölkerung. Während der Stammwähleranteil bei den klassischen Parteien immer mehr zurückgeht, so blüht die Wechselwählerschaft immer mehr auf.

Dies hat natürlich zum einen vor allem damit zu tun, dass die Parteienlandschaft in Österreich und auch im Burgenland in den vergangenen Jahrzehnten immer vielfältiger wurde. Zum anderen ist die Fülle an Informationen im Vergleich zum vorigen Jahrhundert immer mehr und mehr geworden. Und ob man es mag oder nicht: Der Personenkult hat auch zugenommen. Bestes Beispiel sind hier Bundeskanzler Sebastian Kurz, ohne den die ÖVP nicht türkis wäre und vermutlich bei unter 20 Prozent liegen würde. Oder auch im Burgenland Hans Peter Doskozil, ohne den die SPÖ wohl bei weitem keine absolute Mehrheit geholt hätte.

Das hat auch einen Grund: Die Menschen „suchen“ sich naturgemäß jene Politiker aus, von denen sie für sich selbst auch Vorteile erhoffen können. Und auch wenn das alle bestreiten, sei es nun auf Bundes-, Landes- oder Gemeindeebene: Politiker helfen naturgemäß Parteifreunden lieber als anderen Menschen. Man kann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, wenn zwei Bewerber exakt die gleiche Qualifikation für einen Job haben, bekommt der mit der „richtigen“ Parteifarbe den Zuschlag. Denn was heute wie damals gilt: Wer die Macht hat, macht die Regeln.