Wie viele Tote muss es an unserer Grenze noch geben?

Über eine weitere Flüchtlings-Tragödie im Burgenland und den längst verlorenen Glauben an eine baldige gemeinsame europäische Lösung in der Asylpolitik.

Erstellt am 21. Oktober 2021 | 03:20

Diese Woche Dienstag kamen sofort Erinnerungen an den 27. August 2015 hoch. An diesem Tag wurden an der Ostautobahn bei Parndorf 71 tote Flüchtlinge zusammengepfercht in einem Kühltransporter gefunden. Am Dienstag wurden bei einer Kontrolle des Bundesheeres wieder Flüchtlinge in einem Kleinbus entdeckt, diesmal kam leider für zwei Menschen jede Hilfe zu spät. Insgesamt waren 28 Flüchtlinge in dem kleinen Transporter. Der Schlepper floh damals wie heute vor den Behörden und überließ die Flüchtlinge ihrem Schicksal.

Szenenwechsel, selbe Region: Am Sonntag davor absolvierten die „Identitären“ wieder einen ihrer ominösen „Spaziergänge“ an der Grenze. Was nichts anderes bedeutet, als dass eine Gruppe von rund 60 Personen in Bürgerwehr-Manier die Grenze abschreitet, um Flüchtlinge und Schlepper davor abzuschrecken, die Grenze nach Österreich zu überqueren. Dabei hagelte es Kritik von vielen Seiten und auch vom Innenminister Karl Nehammer persönlich. Er lässt die für ihn nicht tolerierbare Aktion genau und verfassungsrechtlich prüfen.

Dass die Aktion ihre abschreckende Wirkung klar verfehlt hat, hat sich diese Woche tragischerweise bestätigt. Die kriminellen Schlepperbanden lassen sich von ein paar zivilen Menschen an der Grenze nicht abschrecken. Zu viel Geld ist im Spiel, die Verbrecher sind skrupellos und Menschenleben, in deren Augen, nichts wert.

Viele Organisationen und Politiker schreien jetzt auf und fordern gesamteuropäische Maßnahmen. So wie 2015 auch. Passiert ist bisher so gut wie nichts. Seit Monaten mehren sich die illegalen Übertritte an unseren Grenzen, riesig aufgestockt wurde das Personal dennoch nicht. Dabei wäre gerade jetzt eine starke quantitative Polizei- und- Bundesheer-Präsenz an der Grenze das erste und wohl wichtigste Signal an die Schlepper-Mafia.