Am Ende braucht es einen Schuldigen. Über den Manipulations-Vorwurf von Sanel Kuljic, bei dem der SV Mattersburg namentlich genannt wurde.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 18. September 2019 (06:12)

Das Mattersburger 0:2 gegen WSG Tirol war das sportlich bittere Ende einer Woche, in der schon ein Bericht in der „Kronen Zeitung“ für Wirbel gesorgt hatte.

Ex-Profi Sanel Kuljic (41) – 2013 einer der Hauptakteure im Wettskandal rund um manipulierte Spiele in Österreich und damals wegen schweren Betrugs, Erpressung und Nötigung verurteilt – sprach öffentlich davon, dass in der höchsten Liga weiterhin Spiele manipuliert würden. Konkret nannte der Ex-Topstürmer zwei Heimspiele des SV Mattersburg aus dem Vorjahr: das 0:6 am 18. August gegen den WAC und das 1:3 am 16. September gegen den LASK. „Aber es sind mehr“, wie er bei dem Bericht zu Protokoll gab.

Dass die Bundesliga im Verbund mit dem SVM rechtliche Schritte setzt und auf diese Weise gegen Kuljic vorgehen will, ist auf Basis der vorliegenden Fakten verständlich. Weil laut Bundesliga bislang eben noch keine Informationen vorliegen würden, die die Aussagen von Kuljic bekräftigen – nach Rücksprache mit den betreffenden Stellen, Stichwort Österreichischer Fußball-Bund, Stichwort SV Mattersburg, Stichwort Play Fair Code (jene offizielle Plattform gegen Manipulaltion im Sport), Stichwort Bundeskriminalamt (BK).

Aktuell fehlen der Öffentlichkeit also die stichhaltigen Beweise. Das war 2013 noch anders, als mit Dominique Taboga ein Akteur auspackte, der beim Manipulieren mittendrin war und auch selbst gestanden hat. Den besagten Kronzeugen gibt es 2019 (noch?) nicht.

Nur deshalb die Aussagen von Kuljic auf die leichte Schulter nehmen, wäre das falsche Signal. Es braucht einen sorgfältigen Fakten-Check. Ungeprüft zu glauben, dass die besagten Partien faul waren, wäre aber gleichermaßen fatal. Hier geht es schließlich auch um den Ruf des Vereins. Also gehört die derzeitige Pattstellung gelöst. Falscher Vorwurf oder falsches Spiel? Es muss am Ende in dieser Causa einen Schuldigen geben. Denn eine so heikle Aussage ohne Aufklärung und Konsequenzen wäre wieder Gift für die Integrität des Fußballs.