Das atmosphärische EURO-Spielrisiko. Über die nötigen Ergebnisse bei der EURO und den parallel dazu erwünschten Genuss beim Zuschauen.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 12. Juni 2021 (01:03)

Nicht der kuriose Umstand, dass die ab Freitag in elf Ländern startende Fußball-Europameisterschaft weiterhin offiziell EURO 2020 heißt (obwohl wir schon 2021 schreiben), sorgt für jede Menge Gesprächsstoff im Vorfeld. Nein, das rot-weiß-rote Hauptthema für das nun nachgeholte Großevent umfasst die Sorge der österreichischen Fußballseele über die von vielen Seiten angesprochene Spielanlage. Teamchef Franco Fodas System sei zu defensiv, so der allgemeine Tenor. Es ginge mehr, was den Zug und die Ausrichtung nach vorne betrifft. Speziell die Personalstruktur der Nationalmannschaft, die an sich von Profis mit dem nötigen Offensiv-Gen durchzogen ist, und das taktische Auftreten derselben am Spielfeld lässt Wünsche offen. Obwohl Foda sicher denselben Wunsch wie die Fans hat: möglichst erfolgreich bei der EURO abzuschneiden. Dafür wird der zweifache Meistertrainer von Sturm Graz seine Idee haben. Dass diese Spielidee schwerpunktmäßig auch eine solide Defensive beinhaltet, wird uns alle übrigens dann nicht stören, wenn Österreich bei der Europameisterschaft die Vorrunde meistert und auch danach in der K.o.-Phase weiterhin brilliert. Um es auf die Spitze zu treiben: Wer würde nicht Otto Rehagels Spielstil von 2004 mit Handkuss nehmen, wenn dieser am Ende vom EM-Titel gekrönt werden würde? Als der deutsche Trainerfuchs Stahlbeton anrührte und mit Griechenland in Portugal sensationell Europameister wurde.

Fakt ist, dass bei der EM-Endrunde die Ergebnisse zählen. Schön gespielt und frühzeitig ausgeschieden – naja. So gesehen wären Fans im Fall des Erfolgs sicher auch bereit für die defensivere Seite des Fußball-Universums. Fakt ist aber auch, dass der überwiegende Teil des Nationalteams jede Menge Potenzial für ein mutig/attraktives Offensiv-Spektakel in sich trägt und dass die angezogene Handbremse am Platz keine Ergebnis-Erfolgsbank war. Der Spaß am Spiel blieb in diesem Kontext somit auch für uns Zuschauer zuletzt doppelt auf der Strecke. Dieses atmosphärische Risiko muss den Verantwortlichen bewusst sein.