Das Signal für mehr sportliche Wertigkeit. Über den Umstand, dass im Fußball bei Punktegleichheit künftig das direkte Duell vor der Tordifferenz zählen wird.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 07. Mai 2021 (04:34)

Burgenländische Fußballnostalgiker der jüngeren Zeitgeschichte können sich alle noch gut erinnern: In der letzten Runde der Saison 2004/2005 ging es im Fernduell der 2. Klasse Nord zwischen Weiden und Großhöflein um den Titel. Beide Teams waren punktegleich, im Torverhältnis hatte Großhöflein mit +18 die Nase gegenüber den Weidener Kickern (+13) vorne. Die schossen dann in der letzten Runde Podersdorf zur Sicherheit gleich einmal mit 20:0 vom Platz und schrammten so noch am Titelkonkurrenten (zeitgleich „nur“ 6:0 gegen Wimpassing) vorbei. Der BFV-Vorstand unter dem damaligen Präsidenten Karl Kaplan machte daraufhin Tabula rasa, ließ das Weidener Torfestival aufgrund „grober Unsportlichkeit … jede andere Annahme ist lebensfremd“ (nachzulesen im Buch Fußballsport im Burgenland, Teil IV) annullieren, wertete die Partie mit 0:0 und null Punkten – Großhöflein stieg auf.

16 Jahre später ist diese Geschichte zumindest noch ein Klassiker für jeden rot-goldenen Fußballstammtisch. In der Sache aber bleibt das Thema zeitlos spannend. Schlag nach in der 2. Liga, als am 31. Juli 2020 Ried im punktegleichen Fernduell der letzten Runde mit Austria Klagenfurt durch ein 9:0 gegen den FAC den Bundesliga-Aufstieg sicherte und den Titelgegner trotz dessen 6:1 gegen Wacker Innsbruck ausbremste.

Dass der Österreichische Fußball-Bund (ÖFB) die Wertung ab der neuen Saison flächendeckend adaptieren wird und im Fall von Punktegleichheit erst die Bilanz der direkten Duelle vor der Tordifferenz heranzieht, macht Sinn. Im Fall Ried/Klagenfurt wären die Kärntner übrigens bei dieser Rechnung vorne gelegen.

Schon klar: Zu einer Saison soll jedes Spiel zählen. Aber braucht es dazu einen Tordifferenz-Boost im Finish? Zwei von den Punkten her Kopf-an-Kopf stehende Konkurrenten haben einen Leistungsnachweis aus ihren beiden direkten Duellen im Saison-Rucksack mit. Diesen Beleg nachhaltig aufzuwerten, ist bei allem Respekt vor der Tordifferenz aus einer ganzen Saison ein Signal für sportliche Wertigkeit – und somit für mehr Fairness.