Den Umständen entsprechend weise. Bernhard Fenz über den Golser Behindertensportler Georg Tischler, der seine Karriere beendet.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 24. Oktober 2018 (04:53)

Nach Julia Dujmovits – Goldmedaillengewinnerin von Sotschi 2014 im Snowboard-Parallel-Slalom – im Frühjahr verabschiedet sich nun im Herbst ein weiterer rot-goldener Olympiasieger von der aktiven Bühne. Georg Tischler, Gewinner des Kugelstoß-Bewerbs bei den Paralympics 2004 in Athen, hätte trotz seiner 57 (!) Jahre eigentlich gerne noch einmal angegriffen und weitergemacht. Unter diesen Umständen, wie er betont, tue er sich die Schinderei aber nicht mehr an und beende seine Karriere.

Weil Tischlers Paradedisziplin Kugelstoßen nicht mehr im Programm seiner Schadensklasse F54 (so werden die unterschiedlichen Schwerestufen im Behindertensport genannt) bei Sport-Großereignissen aufscheint, mache es keinen Sinn mehr. Im Rahmen der Leichtathletik-Europameisterschaften in Berlin Ende August erfuhr er davon, seitdem reifte der Entschluss abzutreten.

Auch im Behindertensport tut sich schließlich einiges. Neue Sportarten oder Sparten drängen auf den Markt der Paralympics oder der diversen Weltmeisterschaften. Damit einhergehend sei allerdings die Streichung respektive die Straffung bestehender Disziplinen. Mehr und mehr würden die Klassen zusammengelegt. Das Punktesystem, das die unterschiedlichen körperlichen Vor- und Nachteile ausgleichen soll, könne die Unterschiede jedoch nicht fair ausgleichen, wie der Golser betont. Ergo sieht er auch keine sportliche Perspektive mehr, in einem zusammengelegten Pool an Sportlern mit unterschiedlichen Konstitutionen reüssieren zu können.

Die Karriere unter Abwägung aller Aspekte zu beenden, ist unter diesen Gegebenheiten zwar ein persönlich harter, aber trotzdem durchaus weiser Schritt. Zu groß wäre auch die Gefahr, mit knapp 60 (oder darüber) in der öffentlichen Wahrnehmung abseits der Spitze als Auslaufmodell am eigenen Denkmal zu kratzen. So aber schließt der mehrfache Weltmeister und Paralympics-Champ Georg Tischler nun ein Kapitel burgenländischer Sportgeschichte, das glänzend war und auch glänzend bleibt.