Die Ballverlust-Angst könnte überwiegen. Über die neuen Regeln im Fußball und die damit verbundenen Möglichkeiten beim Abstoß. Wer sich traut …

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 24. Juli 2019 (05:55)

Parallel zu den ersten Pflichtspielen der neuen Saison finden auch die neuen Regeln im Fußball schön langsam den Weg in das allgemeine Bewusstsein. Der Maßnahmen-Katalog, der mit Saisonstart Gültigkeit erlangte, soll ganz allgemein zusammengefasst das Spiel weiter beschleunigen.

Noch dauert es freilich, bis die neuen Vorgaben wie von selbst greifen. Denn noch ist nicht überall in Fleisch und Blut übergegangen, dass (um nur ein Beispiel zu nennen) Kicker beim Austausch nun den kürzesten Weg raus aus dem Platz nehmen müssen. Das ist aber nur eine Frage der Zeit, bis hier die Automatismen auch greifen. Weil sich alle Beteiligten daran zu halten haben – wie das mit Muss-Bestimmungen eben ist.

Spannend ist in Bezug auf die neuen Regeln aber die Frage, ob sich eine Kann-Maßnahme künftig nachhaltig durchsetzen wird: die Spieleröffnung beim Abstoß. Bekanntlich ist nun auch erlaubt, dass der Ball nicht mehr aus dem Strafraum rausgespielt werden muss, sondern auch schon innerhalb angenommen werden kann. Klingt attraktiv, weil sich Kicker ihrer Deckung entziehen und so auch an einen Spielaufbau gegen offensiv ausgerichtete Gegner denken können. Für die heißt es schließlich weiterhin: draußen bleiben, zumindest bis die Kugel rollt. Somit kann das gepflegte Spiel von hinten raus forciert werden, statt mit einem weiten Abschlag auf gut Glück zu agieren – an sich eine höchst sinnvolle Sache. Wer davon tatsächlich Gebrauch machen wird, bleibt abzuwarten. Schließlich braucht es von hinten raus extrem hohe Ballsicherheit und einen ziemlich guten Plan, um einen aggressiven Gegner im Pressing-Modus (vor allem dafür eröffnet die neue Regelung Möglichkeiten) auszustechen. Spielerische Lösungen von hinten raus zu finden, egal gegen welchen Gegner, klingt spektakulär und mag auch durchaus sinnvoll sein. In der Praxis könnte sich aber gerade zu Saisonbeginn zeigen, dass vielen Teams dieses Thema noch viel zu heiß ist. Und die Angst vor einem entscheidenden Ballverlust überwiegt.