Die Gefahr der Verwechslung. Über die Lockerungen im Sport und die neue Normalität.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 02. Juli 2020 (05:33)

Seit Mittwoch, 1. Juli, kann österreichweit in Innen- und Außenbereichen wieder uneingeschränkt Sport betrieben werden. Vor allem für alle Kontakt- und Mannschaftssportarten sind die Lockerungen nach dem Corona-Lockdown ein Segen. Noch vor einigen Wochen war unklar, ob etwa Kampfsport im Jahr 2020 überhaupt noch ein Thema sein werde. Ob und wann die riesige Community an Fußball-(Nachwuchs-)Mannschaften wieder ganz normal aktiv sein darf. Oder ob das Schwitzen in den Sporthallen tabu bleibt.

Dass die Bundesregierung nun diesen Schritt gesetzt hat, war im Sinne der Sport-Lobby, an der Spitze mit Burgenlands Altlandeshauptmann Hans Niessl in seiner Funktion als Präsident von Sport Austria, dem Dach des organisierten Sports. Wochenlang hat er sich starkgemacht für mehr Bewegungsmöglichkeiten. Jetzt, da sportlich tatsächlich wieder alles erlaubt ist, mahnt Niessl dazu die Richtlinien trotzdem einzuhalten. Nicht ohne Grund.

Die Grenze zwischen erlaubt und gescheit ist fließend, irgendwo dazwischen geistert das Wort Eigenverantwortung. Dass uneingeschränkter Sport wieder betrieben werden darf, ist im Umkehrschluss kein Freibrief, die generellen Abstandsempfehlungen davor und danach dauerhaft zu ignorieren, die Vorsicht völlig über Bord zu werfen oder sinnvolle Kontrollen wie das Führen von Anwesenheitslisten zu vernachlässigen.

Wer sich um gar nichts mehr schert, ist in Lockerungszeiten kein punktuelles, sondern ein dauerhaftes Infektionsrisiko. Das braucht niemand. Mehr denn je wird es also an den Trainern, den Funktionären und den Aktiven selbst liegen, bis auf weiteres die neue Normalität auch zu leben und sie nicht mit der ursprünglichen Normalität zu verwechseln.