Ein Kampf gegen den Ruf der Wundertüte. Über das sportliche Dasein von Bernd Wiesberger in der Golf-Weltklasse.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 11. Februar 2021 (01:34)

Der Grenzbereich zwischen Genie und Wahnsinn ist bei Bernd Wiesberger fast schon traditionell sehr schmal. Das hat sich zuletzt wieder bei den drei Saison-Auftaktevents der European Tour – dem Desert Swing – gezeigt. Mit den Plätzen 25 und 6 bei den beiden ersten Turnieren in den Vereinigten Arabischen Emiraten zeigte die Kurve für Österreichs Nummer eins konstant steil nach oben, mehr noch: Der Abschluss in Saudi Arabien ließ zweieinhalb Runden lang gar auf einen Sieg spekulieren. 49 Löcher mit zehn Birdies und gerade mal einem einzigen Schlagverlust belegen das hervorragende Niveau. Speziell am Schlusstag folgte dann aber mit einem Bogey-Festival der Absturz auf Platz 53.

An den Möglichkeiten des 35-Jährigen ändern solche Streichresultate freilich nichts. Bernd Wiesberger ist und bleibt in der Weltklasse etabliert, sonst läge er nicht seit geraumer Zeit so beständig unter den Top-50. Zudem ist der Wahl-Bad Tatzmannsdorfer mit seinem Spiel jederzeit für geniale Runden gut. Und doch braucht es für den nächsten Schritt zwingend Beständigkeit, will der Südburgenländer im qualitativ so dicht gedrängten Feld der Weltspitze dorthin vordringen, wo sich neue Türen öffnen können. Stichwort mögliches Ticket für die nordamerikanische PGA-Tour, Stichwort Resultats-Boost bei einem Major-Event und nicht zuletzt Stichwort erstmalige aktive Teilnahme für das Team Europa am Ryder Cup, dem so prestigeträchtigen Kontinentalwettkampf, diesmal auswärts, gegen die USA.

Der soll heuer von 21. bis 26. September in Wisconsin über die Bühne gehen. Dort, wo beim professionellen Golfgeschäft mehr geballte Emotion als nirgendwo sonst im Spiel ist, wäre ein sportliches Feuerwerk der Marke Wiesberger gleichermaßen spektakulär wie perfekt. Dieses große Potenzial ist zweifelsohne ein Trumpfass. Für das Gesamtpaket und auch für eine Nominierung muss sich der Wahnsinn trotzdem regulieren. Sonst bleibt dem Weltklasse-Golfer Bernd Wiesberger inmitten der Elite auch ein wenig schmeichelnder Ruf, nämlich jener der ständigen Wundertüte.