Eine bittersüße Chili-Kost. Über den Umstand, dass es nun doch einen Bundesliga-Absteiger geben wird.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 22. Mai 2020 (05:11)

Die Entscheidung für den Sport in der 2. Liga wird den Teams der Bundesliga-Qualifikationsgruppe ganz sicher nicht geschmeckt haben. Weil auch Österreichs zweithöchste Spielklasse der Corona-Krise trotzt und die Saison unter den Auflagen des erstellten Bundesliga-Konzepts zu Ende spielen wird (das war bis vor kurzem noch tendenziell unwahrscheinlich), gibt es nun doch noch einen Aufsteiger nach oben.

Im Umkehrschluss bedeutet das nach der Teilung der Zwölferliga für die sechs Klubs in der Qualifikationsgruppe, dass einer von ihnen absteigen muss – ein Detail, das bei einem Abstand von vier Punkten zwischen dem Ersten Austria und dem Letzten St. Pölten reichlich Chili-Schärfe bringen wird.

Plötzlich sind die zehn verbleibenden Geisterspiele nicht mehr nur reine Vorbereitungspartien auf die neue Saison. Plötzlich gesellt sich auch bei etwaigen Vertragsverhandlungen die Unsicherheit eines möglichen Abstiegs dazu. Fehlende Planungssicherheit hier, erhöhter Zeitdruck da: Mittendrin wird auch der SV Mattersburg versuchen, so rasch wie möglich das Abstiegsgespenst außer Sichtweite zu bekommen, um nicht nur die aktuelle, sondern auch die neue Saison ohne die ganz großen Sorgenfalten vorbereiten zu können.

Aus neutraler Zuschauersicht bleibt trotzdem festzuhalten: Der Faktor Abstiegskampf macht den Reiz der Qualifikationsgruppe aus. Zwar mag für die Top-Plätze das Europa-League-Play-Off als Belohnung winken. Das System der Ligateilung ist aber vor allem auf dem sportlichen Thriller im Keller aufgebaut. Geisterspiele, bei denen es um gar nichts geht, mögen für betroffene Klubs (und wohl auch deren Fans) sicher ein Segen sein. Für alle anderen wären sie die Höchststrafe.