Erwartungshaltung als Kompliment. Über den Sieg des Nationalteams und Bernd Wiesbergers Triumph. Als Belohnung steigt nun der Anspruch.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 16. Oktober 2019 (05:50)

Ein Sonntag in Slowenien und in Italien. In Ljubljana ebnete das Nationalteam mit dem 1:0-EM-Quali-Erfolg den Weg zur EURO 2020. Zwei Partien vor Schluss (Österreich ist gegen Nordmazedonien und in Lettland hoher Favorit) fehlt noch ein Punkt – und auch nur dann, wenn die Konkurrenz alles gewinnt. De facto ist Rot-Weiß-Rot also durch.

In Rom setzte Österreichs bester Golfer seine nächste Duftmarke in Europas Elite. Bernd Wiesberger, aufgewachsen in Oberwart und wohnhaft in Bad Tatzmannsdorf, feierte bei den Open d‘Italia seinen dritten Turniersieg 2019. Zwei dieser drei Triumphe zählten zu der im Rahmen der European Tour noch höher dotierten Rolex Series. Vor einem Jahr noch war er aufgrund einer langwierigen Handgelenksverletzung mehrere Monate außer Gefecht. Nach seinem Comeback im November verpasste er in sechs Turnieren viermal den Cut. Es war unklar, wie stark der 34-Jährige zurückkommen werde. Nun wissen wir es, die sportlichen Belege beeindrucken. Für Top-Runden war Burgenlands Ausnahmekönner immer schon gut, für diametrale Rückschläge ebenso. Wenn etwa Wiesbergers Offensivspiel am Platz auf die fehlende Konstanz prallte. Neuerdings ruft er sein Potenzial aber schon fast wie am Fließband ab. Als Lohn führt er Europas Jahreswertung an und hält als neue persönliche Bestleistung Platz 22 in der Weltrangliste – in einer Sportart, die über den Globus von rund 60 Millionen Menschen betrieben wird. Nicht zuletzt aufgrund dieser Formkurve darf er ein Großevent 2020 im Hinterkopf behalten. Ende September steigt in den USA der Ryder Cup. Beim so prestigeträchtigen Kontinentalvergleich erstmals für das Team Europa zu starten, wäre ein weiterer Karriere-Ritterschlag. Auch ein Sieg bei einem Major-Turnier wäre noch fällig. Zu hoher Anspruch? Im physisch und psychisch fordernden Golfsport mag das in der Weltspitze schwer prognostizierbar sein. Bis auf weiteres ist die erhöhte Erwartungshaltung an Bernd Wiesberger darum vor allem als Riesenkompliment für seine abgelieferte Arbeit zu werten.