Für die Mittel- und die Langfristigkeit. Über den ersten Schritt eines schleichenden Rückzugs von Gerhard Milletich bei seinem Herzensklub Parndorf.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 15. Januar 2020 (05:44)

Läuft alles nach Plan, dann wird Gerhard Milletich zeitnah und innerhalb von nur einer Woche emotionale Momente in seiner Funktionärskarriere erleben. Erst einmal steht er am 1. März vor der Wiederwahl als Präsident des Burgenländischen Fußballverbands. Milletich ist bislang der einzige Kandidat.

Der möglichen dritten Amtszeit als BFV-Boss folgt dann ein Abschied auf Raten. Nach der Hauptversammlung in Eisenstadt steigt am 8. März die Generalversammlung des SC/ESV Parndorf, den Milletich nun schon seit Dezember 1991 (mit einer Unterbrechung von zehn Monaten) 27 Jahre lang als Obmann vertritt und bei dem er nicht mehr für die operative Klubspitze kandidieren wird.

Dieses Vorhaben bekräftigte er zuletzt einmal mehr, wodurch klar ist, dass es Milletich (der neben vielen Jahren Ostliga mit Parndorf auch drei Saisonen lang in Österreichs zweithöchster Spielstufe aktiv war) tatsächlich ernst meint. Noch gibt es laut dem 63-Jährigen zwar keinen offiziellen Nachfolgekandidaten, der Langzeitobmann zeigt sich aber zuversichtlich. Schon jetzt steht schließlich fest, dass der Verlags-Chef dem jetzigen Burgenlandligisten bis auf weiteres als Sponsor erhalten bleiben wird – in welcher Form auch immer, aufgelegt wäre freilich das (Ehren-)Präsidentenamt.

Das könnte auch ein Schlüssel für den vernünftigen, schrittweisen Machtwechsel bei Milletichs Herzensverein sein. Wenn der langjährige Boss und Mäzen in Personalunion unterstützend übergibt, sollte sich nicht nur kurzfristig leichter eine Nachfolge finden lassen. Es ist vor allem auch eine wichtige Übergangsphase für die Mittel- und Langfristigkeit des Vereins, wenn das jetzige Oberhaupt einmal nicht mehr als Fangnetz im Hintergrund agiert, sich die Personal-Strukturen sukzessive erneuert haben und der SC/ESV eine neue Ära beschreitet – in welcher Spielstufe auch immer. Was zählt ist, dass das gesamte Vereins-Konstrukt an die Möglichkeiten der Funktionäre und des Umfelds angepasst ist. Nur dann wird es auch möglich sein, den Klub ohne Milletich gut zu schupfen.