Gradmesser für die eigenen Ansprüche

Über den bisherigen Saisonstart des SC Neusiedl/See in der Regionalliga Ost und seine neuen Ansprüche.

Martin Ivansich
Martin Ivansich Erstellt am 26. August 2021 | 01:35

Kein Blick zurück Richtung hintere Tabellenregion, nach vorne will man schauen und eigentlich im vorderen Drittel mitspielen — die Töne in Neusiedl/See waren vor der Saison selbstbewusst. Dementsprechend hat man den Kader auch zusammengestellt. Der Beginn verlief dann nicht wie erwünscht. Klar, gegen einen Bundesliga-Klub kann man im ÖFB-Cup ausscheiden. Das 0:4 gegen die Admira tat dann aber dennoch weh. Genauso wie das 2:2 eine Woche später beim Liga-Auftakt in Draßburg und dann die Woche darauf das 1:3 zu Hause gegen Traiskirchen.

In allen Spielen offenbarten sich noch die einen oder anderen Abstimmungsprobleme in der neu zusammengestellten Truppe. Für den Sportlichen Leiter Günter Gabriel war das nicht zwingend ein Grund nervös zu werden, weil es eben „Zeit braucht“, damit alle Räder ineinander greifen. Und tatsächlich scheint dies beim NSC nun immer besser zu funktionieren. Nach dem doch durchwachsenen Saisonstart hat sich die Situation in der Seestadt in den vergangenen beiden Wochen deutlich verbessert. Zuerst drehte Burgenlands aktuell höchstplatzierter Verein nach Rückstand beim FC Mauerwerk das Spiel noch um, gewann 2:1 und fuhr dann sogar den zweiten Auswärtssieg in Folge ein — 4:1 bei spielstarken Admira Juniors. Ganz nebenbei unterstrich der Tabellen-Siebente auch Offensivqualitäten und viel Leidenschaft. Die wird die Mannschaft über die gesamte Saison brauchen – und nicht nur phasenweise –, um am Ende das Ziel Top-Sechs zu erreichen.

Genau deshalb ist das Spiel am morgigen Freitag hochinteressant. Der Gegner in der Seestadt ist Ostliga-Tabellenführer Vienna, die ihre Ambitionen noch weiter vorne hat und aufsteigen will. Der Döblinger Kader ist enorm stark, gespickt mit etlichen Spielern, die schon viel Bundesliga-Luft schnupperten. Auch wenn Gabriel seine Neusiedler in der Außenseiter-Rolle sieht und jeder Punkt einem „Bonus-Punkt“ aus seiner Sicht gleichkäme: Einen besseren Gradmesser für die eigenen Ansprüche gibt es in dieser Liga nicht.