Hausverstand gegen schwammige Regel. Bernhard Fenz über die Schwierigkeit, ein klares Handspiel nicht einfach auch als klares Handspiel zu bewerten.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 04. Oktober 2017 (06:25)

Die Diskussionen nach dem klaren Handtor von Stefan Schwab zum 1:0-Sieg in Mattersburg waren hitzig und verständlich zugleich. Zur Erinnerung: Ein Klärungsversuch von Mattersburg-Legionär Jano prallte aus kurzer Distanz vom ausgestreckten Unterarm des Rapid-Profis aus elf Metern zurück und ins SVM-Tor. Referee Manuel Schüttengruber berief sich nach Schlusspfiff bei seiner Auslegung der Szene vor der Fernsehkamera auf den Umstand, dass laut Regulativ für ein strafbares Handspiel auch zwingend Absicht vorliegen müsse. Das sei in dieser Szene nicht der Fall gewesen.

Spätestens jetzt beginnt das Dilemma. Was ist Absicht? Hier kommen Faktoren wie unnatürliche Bewegungen beziehungsweise die vielzitierte Körperverbreiterung et cetera dazu, die dann ein mögliches Handspiel sozusagen heraufbeschwören. Das wiederum sagen nicht nur jene Hobby-Referees, die ihr Regelwissen lediglich beim Kantinen-Smalltalk schärfen. Auch ausgewiesene Experten wie Burgenlands Schiedsrichterobmann Günter Benkö – der beileibe nicht dem SVM-Dunstkreis entstammt – sahen hier aufgrund eindeutiger Faktoren ein klar irreguläres Tor.

Was bleibt, ist am Ende eine ganz offensichtliche Handszene, bei der wohl nicht einmal eingefleischteste Rapidler auf die Idee gekommen wären, eine Annullierung des Tores anzuzweifeln. Auch wenn es im Regeldschungel oft wirklich schwer sein mag: Im Zweifel muss der Hausverstand zumindest mitentscheiden – vor allem dann, wenn konkret eine so klare Szene auf Basis eines schwammigen Regulativs zu bewerten ist.