Spitzenfußball und der relative Bedarf. Über das sportliche Vakuum im Burgenland seit dem Aus des SV Mattersburg. Wichtiger sind gesunde Vereine.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 22. Juli 2021 (01:46)

Wie eine halbe Ewigkeit wirkt es, dass in Mattersburg das letzte Mal Bundesliga-Fußball gespielt wurde. Dabei ist es gerade einmal etwas mehr als ein Jahr her, als der SVM am 30. Juni gegen die WSG Tirol mit 4:1 gewann. Es war das finale Fußballmatch im Pappelstadion. Zwei Wochen später überschattete der Commerzialbank-Skandal alles – auch der SV Mattersburg brach in sich zusammen.

Gefühlt kräht kein Hahn mehr nach dem Klub in Grün-Weiß, trotz vieler Jahre im österreichischen Oberhaus. Vielleicht liegt es an der turbulenten Covid-Pandemie, die über weite Strecken des gesellschaftlichen Lebens alles andere auf die Seite geschoben hat. Vielleicht geht es aber gerade im Sport einfach viel schneller – der nächste Wettkampf, die nächste Saison und das nächste Match sind gute Motoren für einen rasanten psychologischen Verdrängungswettbewerb.

Österreichweit hat die SVM-Pleite also längst niemand mehr am Radar. Im äußersten Osten sieht die Sache trotzdem anders aus. Nach dem Zusammenbruch der Spitze ist in der Bundesliga nur das Burgenland nicht vertreten, alle anderen Bundesländer spielen im Konzert der Großen mit. Auch in der zweithöchsten Spielklasse regiert eine rot-goldene Flaute, die beiden Ostligisten Neusiedl/ See und Draßburg bleiben höchste Vertreter im sportlichen Bereich. Von der Burgenlandliga aus will es Siegendorf nach zwei Abbruchsaisonen endlich nach oben schaffen. Ob der Aufstieg gelingt und es dann in weiterer Folge früher oder später gar Richtung 2. Liga geht, wird sich zeigen. Doch auch wenn der ausradierte SV Mattersburg ein spürbares Vakuum und auch einen allgemeinen Bedarf an Spitzenfußball hinterlassen hat, bleibt der Druck auf die besten Klubs im Amateurfußball gering. Früher oder später mag ein burgenländischer Vertreter in der zweithöchsten Spielklasse guttun, doch nur wenn es die Rahmenbedingungen und das Umfeld tatsächlichen zulassen. Nach oben durchstarten, um dann später als Blase zu zerplatzen, dieser Bedarf ist hierzulande nämlich auf Jahre hinaus gesättigt.