Wenn Rapid-Liebe ihre Grenzen hat. Bernhard Fenz über die burgenländische Nacht des Sports und einen polarisierenden Sager von Hans Peter Doskozil.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 17. April 2019 (05:53)

Aufgelegte Elfmeter sind dazu da, um souverän verwertet zu werden. Die burgenländische Nacht des Sports ist genau so eine Veranstaltung, bei der man als Politiker zu aufgelegten Elfern in der Dauerschleife antreten kann. Da werden im Scheinwerferlicht sanfte rot-goldene Fragen gestellt, auf die es Antworten zum Schmunzeln, zum Lächeln, zum Freuen gibt. Wie das eben so ist, wenn sich Burgenlands Sportfamilie im Kollektiv abfeiert.

Nicht fehlen durfte beim verbalen Elferschießen auf der Bühne freilich, dass sich die obersten Landespolitiker zu einem der Wiener Fußball-Großklubs bekennen. Dieses Spielchen hat hierzulande schon seit Jahren Tradition. Alt-Landeshauptmann Hans Niessl hat in seiner Amtszeit stets völlig offen seine Verbundenheit zur Austria transportiert. Nachfolger Hans Peter Doskozil ist hier diametral unterwegs, also durch und durch Rapidler. In diesem Zusammenhang sorgte diesmal aber ein Statement von ihm zumindest bei einem Teil der Gäste für Verwunderung.

Nach dem obligaten Bekenntnis zu seinem Herzensklub aus Wien Hütteldorf fragte Gala-Moderator Gerfried Pröll beim burgenländischen Landeshauptmann noch einmal nach, ob Doskozil abgesehen von Rapid dem SV Mattersburg – immerhin einziger rot-goldener Vertreter in der Bundesliga – schon auch die Daumen drücke. Da stellte der Landeschef dann unmissverständlich klar: „Für mich gibt es nur einen Verein, das ist der SK Rapid.“

Man muss Hans Peter Doskozil ehrlicherweise zugute halten, dass er eine persönliche und so auch grundehrliche Antwort auf eine Frage gegeben hat. Bei der burgenländischen Nacht des Sports in der Funktion als burgenländischer Landeshauptmann wäre aber die Gelegenheit günstig gewesen, um auch das Dasein des einzigen burgenländischen Bundesligisten (der ja im Oberhaus nicht nur gegen Rapid spielt) in einem Satz zu würdigen. Die diplomatische Minimalvariante eines rot-goldenen Grundsatzbekenntnisses hätte hier also schon gereicht. So aber segelte der aufgelegte Elfmeter doch deutlich über die Latte.