Zum 100er gesund sein, nur das zählt. Über das Jubiläum des SC/ESV Parndorf und den sichtbaren Wechsel der Werte.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 03. Juli 2019 (06:19)

Rein dramaturgisch hätten die beiden 100-Jahr-Feiern am Wochenende nicht unterschiedlicher sein können. Hier der SV Güssing, der im Jubiläumsjahr den Wiederaufstieg von der 2. Liga Süd in die Burgenlandliga schaffte. Dort der SC/ESV Parndorf, dessen sportlicher Werdegang nach 16 Jahren Regionalliga sowie drei Saisonen davon sogar noch eine Liga höher ausgerechnet zum 100er mit dem Abstieg in die Burgenlandliga einen schmerzhaften Rückschritt erlitt. Auch wenn beim Festakt wieder allgemeine Aufbruchsstimmung Richtung Wiederaufstieg zu spüren war.

Ob und wann der Schritt zurück gelingt, ist nicht mehr so leicht vorhersehbar. Anders als in der Vergangenheit, da werkte Obmann Gerhard Milletich in Parndorf viele Jahre als personifizierter Garant für sportlichen Erfolg. Lukrative Transfer-Happen für die Kampfmannschaft waren das Salz in der Suppe. Seit längerem schon zählen für den 63-Jährigen, der seit 27 Jahren dem Klub vorsteht, andere Werte.

Weshalb Milletich auch voller Stolz vor den Augen von ÖFB-Boss Leo Windtner und Teamchef Franco Foda den Parndorf-Nachwuchs einmarschieren ließ und die Zahlen präsentierte: 170 Kinder, zwölf Mannschaften jeder Altersklasse und 20 bezahlte Trainer zählt der Apparat des SC/ESV. Der Fokus gilt mittlerweile der Stärke aus dem eigenen Nachwuchs respektive der näheren Umgebung. Milletich hat Gefallen an dieser Entwicklung gefunden und baut parallel vor. Auch wenn man das in Parndorf aufgrund seiner verdienstvollen Tätigkeit ungern hören mag.

Früher oder später will sich der Präsident des Fußballverbands von der operativen Spitze seines Heimatklubs zurückziehen. Dann werden in Parndorf andere Personen das Sagen haben. Die im Heidebodenstadion auf eine Top-Infrastruktur zurückgreifen können. Und denen ein vorhandener sowie gut funktionierender Unterbau zur Verfügung stehen soll. Das mag künftig zwar kein Garant dafür sein, dass sich Erfolg dauerhaft einstellt. Die Perspektive für den gesunden Fortbestand des Vereins ist aber jedenfalls ausgezeichnet.