Doskozil bastelt an spürbarer Entlastung für Gaskunden

Erstellt am 17. November 2022 | 18:45
Lesezeit: 5 Min
Erstes Medien-Gespräch nach OP Doskozil bastelt an spürbarer Entlastung für Gaskunden
Foto: Wolfgang Millendorfer
Nach der Budget-Rede im Landtag erzählte Landeshauptmann Hans Peter Doskozil  von seiner Kehlkopf-Operation und der Zeit danach. Zugleich gab’s politische Ansagen: Der Bundesregierung warf Doskozil Untätigkeit beim Thema Migration vor und für Haushalte im Bugenland soll es sozial gestaffelte Hilfe bei den steigenden Gaspreisen geben.
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Eine „gewagte Ankündigung“ sei das gewesen, dass er nur vier Wochen nach seiner fünften Kehlkopf-Operation zur Budgetrede im Landtag antreten werde. Aber Hans Peter Doskozil hat im wahrsten Sinne Wort gehalten.

Erstes Medien-Gespräch nach OP Doskozil bastelt an spürbarer Entlastung für Gaskunden
Foto: Wolfgang Millendorfer

Die Atemprobleme aufgrund einer Verknöcherung nach früheren Operationen seien nun kein Thema mehr. „Bald wird wieder für eine Radtour im Frühling trainiert – und später kommt die Tour Oberwart-Sylt“, gab sich der Landeshauptmann beim ersten Medien-Termin nach der Operation motiviert.

In seinem Büro hatte Doskozil zum Gespräch geladen, durchaus gut gelaunt erzählte er dabei von seiner Genesung und wie er sich die Zeit vertrieben hat. Zugleich nutzte er die Gelegenheit auch für politische Ansagen

Operation war auch „ein bisschen Routine“

Die Stimme ist noch rau, wird sich aber bald erholen. Einmal muss der Landeshauptmann kommende Woche noch im Universitätsklinikum Leipzig auf den OP-Tisch: Der Eingriff am offenen Kehlkopf hat Spuren hinterlassen und muss zugenäht werden – angesichts früherer Operationen an derselben Stelle sei dies keine Seltenheit; beim Sprechen hält Doskozil deshalb noch die Hand zum Hals. Danach ist ein wenig Schonung angesagt, „bei der nächsten Landtagssitzung wird es dann schon anders aussehen“, kündigt Doskozil seine neuerliche Rückkehr ans Rednerpult an.

Erstes Medien-Gespräch nach OP Doskozil bastelt an spürbarer Entlastung für Gaskunden
Foto: Wolfgang Millendorfer

„So ein Kehlkopf-Eingriff klingt natürlich dramatisch, es ist für mich aber auch schon ein bisschen zur Routine geworden. Ich bin glücklich, dass meine Stimme auf jeden Fall erhalten bleibt. Und dass die Ärzte mit Sicherheit ausschließen, dass ich meinen Kehlkopf verliere.“

Genau dieser Rat sei ihm jedoch zu Beginn von einem Arzt am Wiener AKH gegeben worden: „Die Empfehlung war mehr oder weniger, sich den Kehlkopf entfernen zu lassen und sich einen neuen Job zu suchen, bei dem ich nicht reden muss.“ Dabei betont Doskozil, er wolle „keinesfalls verallgemeinern“ oder das AKH in Misskredit bringen: „Aber mein persönlicher Fall zeigt aus meiner Sicht auf woran es im Gesundheitssystem fehlt.“

Erstes Medien-Gespräch nach OP Doskozil bastelt an spürbarer Entlastung für Gaskunden
Foto: Wolfgang Millendorfer

Über weitere Untersuchungen in Hamburg sei er schließlich auf den Spezialisten Andreas Dietz in Leipzig hingewiesen worden. „Das habe ich in Österreich in meinem Fall vermisst.“

Und das ist zugleich die Antwort auf die Frage, warum Doskozil bei weiteren Operationen auf eine deutsche Klinik gesetzt hat: „Man sollte eher kritisch hinterfragen, was das für die Bürger bedeutet. Das Gesundheitssystem wird schließlich von der Masse finanziert und müsste daher für alle das Bestmögliche leisten.“

Er selbst sei als Kassenpatient vom Spezialisten operiert worden; in Österreich sieht der Landeschef aber „keine Zwei-Klassen-Medizin, sondern schon längst eine Mehr-Klassen-Medizin“. Es sei Sache des Bundesgesetzgebers hier eine grundlegende System-Änderung zu schaffen, „bei all dem Lobbyismus, den es in dem Bereich gibt“.

Bundesliga & Hörbücher

Nach den kritischen Anmerkungen zum Gesundheitssystem erzählte Doskozil aber auch von neuen Seiten, die er in der Erholungsphase an sich entdeckt hat: „Ich habe vorher nie gedacht, dass ich das einmal tun werde, aber ich habe zuhause auch ein bisschen leichte Kost mit ein paar Hörbüchern probiert. Und es war auch schön, einmal Zeit für fast alle Bundesliga-Spiele im Fernsehen zu haben.“

Gibt es auch etwas, das ihn in seiner Abwesenheit geärgert hat? „Wenn Abläufe, die schon lange besprochen wurden nicht gleich geklappt haben. Da habe ich erst gemerkt, wie schwierig es ist, die Dringlichkeit schriftlich zu äußern.“ Auf die Frage, ob er sich bei seinen Nachrichten ans Landhaus auch mit Emojis aushelfen habe müssen, lacht Doskozil: „Mit allem, was möglich war.“

Erste Ankündigungen zur Energie-Entlassung

Von den persönlichen Themen landete das Gespräch dann bei den aktuellen Fragen – Energiekrise und Asyl. Hier gab der Landeshauptmann eine erste Vorschau darauf, wie man die Energiekunden im Land trotz Preisanpassung entlasten möchte. „Es wird derzeit unter anderem ein Paket besprochen, bei dem wir als Land auf die Dividende verzichten werden. Bei der Preisanpassung im Jänner werden wir nicht linear mitgehen, sondern etwas schaffen, um die Haushalte sozial gestaffelt zu unterstützen.“ Je nach Haushaltseinkommen soll die Unterstützung mittels Anträgen über das Land geregelt werden.

Das Land könne so zwar Private entlasten, auf der anderen Seite brauche es seitens des Bundes nach wie vor eine Gaspreisbremse für Unternehmen wie in Deutschland: „Die Wirtschaftspartei ÖVP sieht dabei zu, wenn Unternehmen zusperren und Menschen arbeitslos werden“, spricht Doskozil auch erste Schließungen im Burgenland an.

Stichwort ÖVP – in der intern aufgekommenen Debatte um eine Anpassung der Menschenrechtskonvention beim Thema Asyl sieht Doskozil eine „scheinheilige Diskussion“: 90 Prozent der Asylwerber mit negativem Bescheid könnten derzeit nicht abgeschoben werden, meint der Landeschef, „weil die Regierungen es nicht zustande bringen, das umzusetzen. Auf Grundsätzen wie der Menschenrechtskonvention ein Ablenkungsmanöver zu starten, halte ich für mehr als schäbig.“