Strategie für klimaneutrales Burgenland . Landesrätin Astrid Eisenkopf präsentierte zehn Themenfelder mit 75 Maßnahmen, die mittelfristig umgesetzt werden sollen. Bis zum Jahr 2050 soll der gesamte Energiebedarf des Burgenlandes aus erneuerbaren Quellen erzeugt und das Land somit klimaneutral werden.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 02. Dezember 2019 (21:38)
Umweltlandesrätin Astrid Eisenkopf präsentierte die zehn Themenfelder und 75 Maßnahmen umfassende Klima- und Energiestrategie.
zVg Landesmedienservice

Umweltlandesrätin Astrid Eisenkopf präsentierte heute, Montag, im Vila Vita in Pamhagen die nach einem online durchgeführten Bürgerbeteiligungsprozess in den vergangenen Monaten ausgearbeitete Klima- und Energiestrategie für das Burgenland. Darin enthalten sind die wichtigsten Leitlinien der Klimastrategie, aber vor allem 75 konkrete Maßnahmen zu zehn Themenfeldern, wie Energiegewinnung, Energiesparen, Mobilität, Landwirtschaft, Abfallwirtschaft oder Raumplanung. 

„Einer der wichtigsten Leitlinien ist, dass wir den Klimaschutz im Burgenland sozial verträglich gestalten wollen. Wir bekennen uns dazu, vor allem auf die richtigen Rahmenbedingungen und Förderungen anstatt auf Verbote zu setzen. Eine weitere wichtige Leitlinie ist „Mit gutem Beispiel vorangehen“ – dem entsprechen wollen wir natürlich als Burgenland gegenüber anderen Regionen ein Vorbild sein, aber auch, dass wir als Landesverwaltung mit möglichst gutem Beispiel vorangehen wollen“, erläuterte Eisenkopf. 

1. Im eigenen Wirkungsbereich 
Die Landesverwaltung soll klimaneutral werden. Ein Schritt dazu ist der Ausstieg aus Ölheizungen in den öffentlichen Gebäuden und Ersatz durch klimafreundliche Alternativen in den kommenden Jahren. Ein zweiter großer Bereich ist der Ausbau der Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern der öffentlichen Gebäude. Auf insgesamt 18.229 m² Dachflächen in der Landesholding sollen in einem ersten Schritt über 3.089 KWp-Anlagen entstehen. Die erste Anlage mit über 313 KWp auf dem Dach des Technologiezentrums Eisenstadt befindet sich bereits im Probebetrieb. Als weitere Maßnahmen im eigenen Wirkungsbereich werden die Vermeidung von Dienstreisen, ein Angebot für Teleworking, Elektroladeinfrastrukturen bei den Landesgebäuden, oder auch die thermische Sanierung eines KRAGES-Krankenhauses. 

2. Energiegewinnung und –Verteilung 
Mit dem Repowering von Windkraftanlagen durch die Energie Burgenland bis 2025 sowie mit dem Ausbau der PV-Anlagen soll die Energiegewinnung ausgebaut und die Verteilung und Speicherung optimiert werden. Bis 2025 sollen die Photovoltaik-Flächen verzehnfacht werden. Ein innovativer Weg im Ausbau erneuerbarer Energieträger ist etwa auch die Umwandlung von Windstrom in Wasserstoff, der dann wiederum für den öffentlichen Verkehr genutzt wird. Ab Herbst 2021 sollen 15 Wasserstoffbusse im Bezirk Neusiedl zum Einsatz kommen, bis 2024 wollen wir weitere 14 Busse dazu nehmen. 

3. Energieeffizienz und Energie sparen 
Hier gilt vor allem: „Raus aus Ölheizungen“. Ein erster Schritt ist das Verbot von Ölheizungen im Neubau, das mit 1.1.2020 in Kraft tritt. Dennoch gibt es im Burgenland rund 18.000 bestehende Ölheizungen. Ziel der Klimastrategie ist es, bis 2030 alle Ölheizungen durch klimafreundlichere Alternativen zu ersetzen. Ihr sei es „ein großes Anliegen, dass dieser Ausstieg aus den Ölheizungen sozial verträglich passiert – das heißt Förderungen und Anreize statt“, sagte Eisenkopf. 2020 soll ein Fahrplan für den Ölausstieg erstellt werden, der auch gezielte Alternativen/Anreize enthält. Weiters soll eine Klima- und Energieberatung für Gemeinden und Unternehmen – ähnlich jener für Privatpersonen – etabliert werden. 

4. Mobilität 
Rund die Hälfte der Treibhausgasemissionen im Burgenland stammt aus dem Verkehrsbereich. Maßnahmen zu deren Reduktion sind eine bessere Anbindung des Südburgenlandes an den Raum Graz mittels Bus, der Ausbau der Mikro-ÖV-Systeme, Verdichtungen auf den bestehenden Zugstrecken, Ausbau des E-Tankstellennetzes, eine sukzessive Umstellung der Busflotte auf alternative Antriebsformen. Als eine der ersten Maßnahmen soll die burgenländische Gesamtverkehrsstrategie evaluiert werden. 

5. Landwirtschaft und Naturschutz 
Zusätzlich zur Naturschutzarbeit sowie zur Bio-Wende, dem größten Schritt in diesem Bereich, sind Initiativen wie ein Humusaufbauprogramm in der Landwirtschaft, klimaschonende Landwirtschaft als Unterrichtsfach in den Landwirtschaftlichen Fachschulen (LFS) oder mehr Bäume für den Klimaschutz geplant. 

6. Abfallwirtschaft 
Auch wenn durch das moderne Abfallmanagement des BMV/UDB die Emissionen in den nächsten 10 bis 15 Jahren um die Hälfte sinken werden, ist ein langfristiges Ziel, den Kohlenstoffkreislauf zu schließen. Mit einem Vorzeigeprojekt soll durch Pyrolyse aus dem mechanisch-biologisch vorbehandeltem Abfall der restliche Kohlenstoff, der derzeit in der Deponie landet, weiter einer sinnvollen Verwendung zugeführt werden. 

7. Raumplanung, Siedlung und Wohnen 
Eine Raumordnung, die Klimaschutzaspekte miteinbezieht, kann maßgeblich zur Erreichung der Klimaziele beitragen. Das soll vor allem bei der Erstellung der örtlichen und regionalen Entwicklungskonzepte passieren, die durch die Novelle des Raumordnungsgesetzes zu erstellen sind. Im Wohnbereich will man die Sanierungsrate auf 2% steigern. Daher sollen die Energieberater des Landes stufenweise aufgestockt werden. 

8. Bewusstseinsbildung 
Hier soll bei Multiplikatoren, bei den Gemeinden, aber auch bei der jungen Generation angesetzt werden. Ein erster Schritt geschah mit der kürzlich veranstalteten Jugendklimakonferenz, die nun jährlich stattfinden soll. Die Gemeinden sowie Klima- und Energiemodellregionen und Klimawandelanpassungsregionen sollen als Partner gestärkt werden. 

9. Bildung 
Klimaschutz soll in der pädagogischen Fortbildung besser verankert werden. Wir wollen eine klimaverantwortliche Person in der Bildungsdirektion implementieren. Wir werden die freiwillige Bio-Stunde zu einer Umweltstunde ausbauen, bei der auch Klima- und Umweltschutz gelehrt wird. Darüber hinaus wollen wir die Zahl an Klimabündnisschulen (derzeit 14) bis 2030 verdoppeln und Peer-to-Peer Formate entwickeln, bei denen Schülerinnen andere Schülerinnen informieren“, erklärte Eisenkopf.

10. Forschung 
In der Forschung soll das Know-How für den Klimaschutz gestärkt werden. Durch eine Vernetzung der bereits etablierten Forschungszentren wie Pinkafeld oder Güssing, der Forschungsprojekte und Akteure über eine Plattform soll ein Mehrwert erzielt werden. 

Eisenkopf begreift die Klimastrategie als „lebendiges Dokument“: „Wir haben uns daher vorgenommen, die Klimastrategie alle drei Jahre zu evaluieren – hier soll eine unabhängige Arbeitsgruppe einen Bericht mit Empfehlungen abgeben. Es ist mir auch ein großes Anliegen, weiterhin auf die Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger zu setzen. Wir brauchen die Menschen im Boot, und die Menschen möchten ihrerseits etwas beitragen, möchten teilhaben und informiert werden.“ 

Die komplette Klimastrategie sowie weitere Informationen gibt es auf der Internetseite www.wunderbar-erneuerbar.at. 

Grüne Kritik: Die Richtung stimmt, das Tempo nicht

In einer ersten Reaktion zeigt sich die Landessprecherin der GRÜNEN, Regina Petrik, erfreut über das vorliegende Programm, das in einigen Ansätzen durchaus ambitioniert ist. Zentrale Punkte des Klimaschutzes, wie die Eindämmung des Bodenverbrauchs, fehlen ihr aber. "Wir finden in der vorliegenden Klimastrategie Maßnahmen, die wir seit Jahren im Landtag einfordern und die bislang von den Regierungsfraktionen abgelehnt wurden. Landesrätin Eisenkopf hat offensichtlich mehr Klimaschutz-Ambitionen als ihr Landtagsklub und das ist sehr erfreulich", so Petrik. Zu diesen Maßnahmen zählen der Ausstieg aus Ölheizungen und die Überarbeitung der Gesamtverkehrsstrategie, die 2014 noch von rot-schwarz beschlossen wurden. "Mit den GRÜNEN würde einiges früher und schneller gehen."

Mutlosigkeit bei Verkehr und Raumplanung

Im Bereich der Mobilität ist das Programm aber insgesamt sehr zurückhaltend. "Es fehlt der Mut zu sagen, dass eine wirksame Klimastrategie, die die nachhaltige Reduktion des CO2-Ausstoßes anstrebt, eine Reduktion des Autoverkehrs beinhalten muss. Daher muss der massive Ausbau des öffentlichen Verkehrs und vor allem des Bahnnetzes ebenso Teil einer Klimastrategie sein wie die Einfrierung von großen Straßenbauprojekten", fordert Petrik.

Auch das große Problemfeld Bodenversiegelung und Flächenfraß ist nur in der Überschrift "Raumordnung" abgebildet. Wenn gleichzeitig mit der Präsentation einer Klimastrategie das Betonieren von 30ha Boden für ein Logistikzentrum eines Möbelkonzerns abgefeiert wird, wird deutlich, dass hier noch einige Arbeit auf die GRÜNEN wartet. 

"Die SPÖ wird eine im Klimaschutz bewährten und mutigen Koalitionspartner in der Landesregierung brauchen, um die Strategie noch auszubauen und umsetzen", bekräftigt Petrik, die Eisenkopf bei einem zentralen Punkt zustimmt: Das Zeitfenster, um die Klimakrise abzuschwächen, schließt sich schnell.