Experten raten zu Schilfbränden

Ruf nach kontrolliertem Abbrennen als Management-Methode im Schilfgürtel wird laut.

Erstellt am 17. Dezember 2020 | 05:55
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Brandmanagement. Geht es nach WWF-Experte Bernhard Kohler sollten Schilfbrände nach einem gut überlegten Rotationsprinzip auf Alt-Schilfflächen überlegt werden.
Foto: Symbolfoto/shutterstock.com

Lodernde Flammen im Schilfgürtel bei Illmitz hielten Anfang April die Region in Atem. Black Hawk Hubschrauber des Bundesheeres kamen schließlich zum Einsatz, um den Brand löschen zu können und eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Rund 200 Hektar Schilfbestand wurden damals zerstört.

„Wildes Drauflosbrennen ist keine Lösung. Bedenken hinsichtlich Klimaschutz und Sicherheit müssen abgeklärt werden.“ Bernhatd Kohler, WWF

Angesichts dieses jüngsten Großbrandes im Schilfgürtel, verwundert die Empfehlung eines EU-Projektes, den Einsatz von Feuer im Rahmen eines Schilfmanagements zu gestatten. Allerdings nur auf den ersten Blick: Für Experten ist das kontrollierte Abbrennen von Schilfaltbestand durchaus eine mögliche Methode des Schilfmanagements, welche im ungarischen Teil um den Neusiedler See üblich ist und bis vor mehreren Jahren auch in Österreich praktiziert wurde. Momentan ist das Abbrennen aber aufgrund des Luftreinhaltegesetzes auf österreichischer Seite verboten.

Im Rahmen der Präsentation eines EU-Naturschutzprojektes, das 2018 gestartet wurde und darauf abzielte, eine seriöse Datenbasis für ein optimales Management des Schilfgürtels zu schaffen, wurde der Einsatz von Feuer wieder thematisiert. Am Montag stellten das Land Burgenland, WWF, BirldLife, Esterhazy und reedmaX gemeinsam die Ergebnisse vor.

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Projektpräsentation am Rande des Schilfgürtels in Purbach. Michael Dvorak (birdLife), Bernhard Kohler (WWF), Landesrätin Astrid Eisenkopf, Matthias Grün (Esterhazy Betriebe GmbH) sowie Schilfschneider Markus Brunner und Jacobus Van Hoorne.
WWF/Vincent Sufiyan

Demnach könnte kontrolliertes und überlegtes Abbrennen ein wichtiges Instrument sein, um zusammenbrechende Altschilfbestände zu verjüngen. Sowohl Schilfernte als auch Vogelhabitate würden davon profitieren. Heute würden alte Schilfflächen niedergewalzt, um die Ernte im Folgejahr vorzubereiten: „Diese Notlösung ist aus Naturschutzsicht sehr problematisch und bringt zudem einen geringeren Ernteertrag mit sich“, betont Bernhard Kohler, Naturschutzexperte beim WWF Österreich.

Vögel mögen altes Schilf nicht

Warum auch die Vogelpopulation profitieren würde, weiß Michael Dvorak von BirdLife Österreich: „Die meisten Vogelarten im Schilfgürtel nutzen in erster Linie älteres, längere Zeit nicht genutztes, strukturreiches Schilf. Gleichzeitig verringert sich aber auch die ornithologische Bedeutung von Altschilfflächen nach etwa 15 bis 20 Jahren. Eine periodische Verjüngung des Schilfgürtels hätte für den Vogelschhutz sehr positive Folgen.“

Viele Fragen noch offen

Auch aus wasserwirtschaftlicher Sicht könne ein Brandmanagement durchaus unterstützt werden, sagt Georg Wolfram. Der Geschäftsführer der DWS Hydro-Ökologie GmbH beschäftigte sich in den vergangenen drei Jahren mit zahlreichen weiteren Wissenschaftlern aus Österreich und Ungarn im Rahmen eines INTERREG Projektes mit dem Namen REBEN (Reed Belt Neusiedler See) mit dem Zusammenspiel zwischen freien Wasserflächen und Schilfgürtel hinsichtlich der Wasserqualität.

Um die hohe Wasserqualität zu sichern sei neben der Öffnung von Längsdämmen, die ein Durchströmen des Schilfgürtels bewirkt auch ein ausgeklügeltes Sediment-, also Schlammmanagement sowie Schilfmanagement notwendig.

Für Letzteres könne kontrolliertes Abrennen eine Methode sein: „Es gibt aber noch eine Reihe an offenen Fragen. Rechtliche Fragen, Haftungsfragen oder wie das Feuer am besten kontrolliert werden kann“, so Wolfram.