"Bio-Wende": ÖVP befürchtet Zerstörung von Existenzen. Die ÖVP hat am Montag die von der rot-blauen Landesregierung eingeleiteten Maßnahmen für eine "Bio-Wende" im Burgenland kritisiert. "Es werden mit dieser Politik Existenzen zerstört", weil man lieber Produkte aus dem Ausland importiere, als auf die regionale Landwirtschaft zu setzen, stellte Landesgeschäftsführer Christoph Wolf fest. Die SPÖ gefährde damit auch die Selbstversorgung im Burgenland.

. Erstellt am 13. Januar 2020 (11:56)
ÖVP-Landesgeschäftsführer Christoph Wolf und Bauernbunddirektor Josef Prantl (v.l.).
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"Dass biologische Produkte, egal jetzt, wo sie herkommen oder unter welchen Bedingungen sie produziert werden, gegenüber heimischen, regionalen Produkten bevorzugt werden, das ist für uns nicht tragbar", sagte Wolf vor Journalisten. Regionalität stehe für die ÖVP an erster Stelle. "Ob jetzt biologisch oder konventionell im Burgenland produziert wird, ist für uns ein zweiter Schritt."

Das Ganze gipfle in der Prämisse, dass es zukünftig im Kindergarten nur mehr 100 Prozent Bio geben dürfe. Die verpflichtende Umstellung bis 2024 werfe laut Wolf "extrem viele Fragen" auf. Mit der Umstellung auf 100 Prozent Bio würden auch die Dorfwirte, welche die Kindergärten beliefern, zu leiden haben. Er könne sich nicht vorstellen, "dass die ganzen Gastwirte umstellen und dennoch die Preise halten können", sagte Wolf.

Nach Ansicht des burgenländischen Bauernbunddirektors Josef Prantl gingen die Maßnahmen im Bereich der Bio-Wende "schon ins Existenzbedrohliche" und hätten "irgendwie den Beigeschmack einer Planwirtschaft". Wenn man nun die Wirtschaftsweise vorschreibe, könne dies nicht funktionieren, weil im Burgenland bereits ein Wirtschaftskreislauf bestehe.

Im Bezirk Mattersburg beispielsweise gebe es noch Schweinemäster, die die mastreifen Schweine drei bis vier Kilometer zu einem regionalen Fleischer bringen, der sie verarbeite. Dann kämen sie als Nahrungsmittel in Spitäler, zu Großhändlern oder in kleinere Fleischereien zur Veredelung. Hier gingen sicher regionale Arbeitsplätze verloren, meinte Prantl, der selbst Landwirt ist. Wenn die Landesregierung keine Neubauten konventioneller Ställe mehr zulasse, wäre dies "mittel- wenn nicht sogar kurzfristig der Tod unserer familiären Landwirtschaftsbetriebe."

Nicht jeder landwirtschaftliche Betrieb im Burgenland könne schon aufgrund der Topografie einfach auf biologische Wirtschaftsweise umsteigen - vor allem in der Tierhaltung, weil die Landwirte beispielsweise bei Hühnern den nötigen Auslauf gar nicht am Hof hätten. Ein Landwirt könne dann nur einen Aussiedlerhof machen, jedoch könne die Kosten dafür "niemand stemmen".

In der Putenmast sei in Vergangenheit bereits versucht worden, vom Schlachthof eine Bio-Schiene zu installieren, schilderte Prantl: "Dann ist der Absatzmarkt nach Deutschland eingebrochen und die wurde eingestampft."

ÖVP-Kritik stößt bei SPÖ auf Unverständnis

 

Mit Unverständnis hat die SPÖ am Montag auf Kritik der ÖVP an Maßnahmen zur "Bio-Wende" im Burgenland reagiert. Die "Bauernbund-ÖVP" male "Horrorszenarien über zerstörte Existenzen, die in keinster Weise der Realität entsprächen", stellte SPÖ-Agrarsprecher Wolfgang Sodl in einer Aussendung fest.

 

Richtig sei viel mehr, dass der Zugang, ohne Zwang Anreize für den Umstieg auf Bio-Landwirtschaft zu schaffen, ein großer Erfolg sei. "Innerhalb von einem knappen Jahr hat das Burgenland bereits Dank der neuen Landesförderung 100 Bio-Betriebe gewonnen, das ist ein Plus von zwei Prozent der bisherigen Fläche allein durch eine Maßnahme. Wir reden nicht nur vom Bioland, wir setzen es um und das Echo aus der Landwirtschaft übertrifft alle Erwartungen", betonte Sodl.

Nachdenklich stimme ihn das vehemente Auftreten der "Bauernbund-ÖVP" gegen die verpflichtende Einhaltung von Kriterien der biologischen Landwirtschaft für den Neubau von Ställen. "Kein bestehender Stall ist von dieser Regelung betroffen, aber neue Ställe sollen den Tieren und den Konsumenten zuliebe den Anforderungen der biologischen Landwirtschaft entsprechen. Ich frage mich, welche Unternehmen der Agrarindustrie die Bauernbund-ÖVP mit so einer Politik gegen Mensch und Tier decken möchte?", so der SPÖ-Agrarsprecher.