Nach Absage: Schüler organisieren Diskussion selbst. Dass es vor der burgenländischen Landtagswahl keine Podiumsdiskussionen für Schüler geben soll, hat am Donnerstag in Eisenstadt Schüler-, Eltern- und Lehrervertreter sowie Angehörige von Partei-Jugendorganisationen an einem Tisch zusammengeführt. Bei einer Pressekonferenz taten sie ihr Unverständnis für die Absage kund. Außerdem wurde die Abhaltung einer Diskussion in Eigenregie angekündigt.

Von APA / BVZ.at. Erstellt am 19. Dezember 2019 (17:21)
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Schon im September habe man bei einem Besuch in der Bildungsdirektion das Thema angeschnitten, berichtete Pascal Kettenhummer von der Landesschülervertretung. Damals habe man die Zusage bekommen, "dass es auf jeden Fall Schuldiskussionen geben wird".

Ein daraufhin ausgearbeitetes Konzept sei im Oktober an die Bildungsdirektion weitergeleitet worden, wegen "zu hoher finanzieller Belastung" habe man eine Absage erhalten und daraufhin ein zweites Konzept erstellt. Diesmal sei den Schülern gesagt worden, es fehle lediglich ein "ok von oben". Aus den Medien habe man schließlich erfahren, dass es keine Diskussionen gebe.

Es sei "fatal, den Jugendlichen die Möglichkeit zu nehmen, die Fragen zu stellen, die sie brennend interessieren, Demokratie zu erleben und Politik hautnah mitzuerleben", stellte Kettenhummer fest. Gemeinsam mit dem Verband der Elternvereine an mittleren und höheren Schulen des Burgenlandes (VEV) habe man sich entschlossen, am 15. Jänner in Deutschkreutz eine eigene Podiumsdiskussion mit den Spitzenkandidaten abzuhalten. Diese soll auch im Internet gestreamt werden.

An der Pressekonferenz nahmen auch Vertreter von Schülerunion, Junos, Grüner Jugend sowie Freiheitlicher Jugend und JVP teil. Sie habe gehofft, dass es jetzt den Schülern möglich sei, ihre Frage direkt an die Politiker stellen zu können, sagte Susanne Schmid, Vorsitzende des VEV: "2015 hat's funktioniert, bei der EU-Wahl hat es auch funktioniert - jetzt wieder dieser herbe Rückschlag. Ich versteh' es nicht."

BMHS-Lehrergewerkschafter Walter Kolonovits (FCG) verwies auf einen Grundsatzerlass des Bildungsministeriums von 2015 zur politischer Bildung. Dort sei der Bildungsauftrag "klar definiert". Daher unterstütze man die Schülerinnen und Schüler in dem Vorhaben, die Diskussionen abzuhalten.

In den vergangenen Jahren habe es zu jeder Wahl Diskussionen gegeben. Das Burgenland sei dabei Vorreiter gewesen: "Warum wir in diesem Bereich einen Rückschritt machen müssen, ist äußerst fraglich", sagte Laura Vrbanic von der Schülerunion.

Eine Unstimmigkeit gab es über die Nichtteilnahme der Sozialistischen Jugend (SJ) an dem Medientermin. "Wir wurden gar nicht zur Pressekonferenz eingeladen", so SJ-Landesvorsitzende Lejla Visnjic zur APA. Die SJ hatte sich einem Offenen Brief an Bildungslandesrätin Daniela Winkler (SPÖ) nicht angeschlossen - aber nicht, weil man überhaupt gegen Diskussionen sei, sondern, weil man dafür eintrete, sich das ganze Jahr über mit Demokratie auseinanderzusetzen und nicht nur vor Wahlen, so Visnjic. Kettenhummer meinte dazu, es sei "von Anfang an" klar gewesen, dass man einen Offenen Brief schreibe und dann gemeinsam bei einer Pressekonferenz Stellung nehme.