Astrid Eisenkopf über ihre Ziele in der Politik. Sie feiert im Feber zwei Jubiläen: Ein Jahr Landeshauptmann-Stellvertreterin und 37. Geburtstag. Mit der BVZ sprach sie über Frauenpolitik, Corona – und ihren Rockmusiker.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 25. Februar 2021 (04:21)
Links: Astrid Eisenkopf bei der „Herbstgold“-Eröffnung mit Partner; rechts: mit Geburtstagsgeschenk ihres Teams im Interview.
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BVZ: In den Gängen im Landhaus hängen viele Bilder von alten Männern. Wie tut man sich da als junge Frau?

Astrid Eisenkopf: Die Zeiten haben sich eben auch im Landhaus geändert. Dieses ist weiblicher, als man glaubt: Fünf von sieben Abteilungsvorständen, drei der vier neuen Gruppenvorstände und eben zwei Landesregierungsmitglieder sind weiblich. Ich bin davon überzeugt: Eine gute Mischung aus Jung und Erfahren, Männern und Frauen macht ein gutes Team aus. Vielfalt führt zum Erfolg!

Die Gemeindepolitik ist da noch Männer-dominierter.

Eisenkopf: Es gibt kurioserweise mehr Bürgermeister, die Josef heißen, als weibliche Bürgermeister insgesamt. Grund ist einerseits die Mehrfachbelastung durch die Kindererziehung, andererseits ist es eine Frage des Selbstvertrauens. Den Satz „Das traue ich mir nicht zu“ habe ich bisher nur von Frauen, nie von Männern gehört. Da ist es mir wichtig, Frauen Mut zu machen und ein gutes Beispiel zu sein.

Sie haben jetzt Landeshauptmann Hans Peter Doskozil während seiner Operation vertreten. Wie gefällt Ihnen sein Job?

Eisenkopf: Es ist natürlich eine Ehre, dass mir LH Doskozil anvertraut, ihn in seiner Abwesenheit zu vertreten. Politik lebt von Herausforderungen und Herausforderungen muss man annehmen, wenn man diesen Job macht. Und mit neuen Aufgaben wächst man auch.

Das Verhältnis zur ÖVP hat einen historischen Tiefpunkt erreicht. Besorgt Sie das nicht?

Links: Astrid Eisenkopf bei der „Herbstgold“-Eröffnung mit Partner; rechts: mit Geburtstagsgeschenk ihres Teams im Interview.
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Eisenkopf: Hier sind Grenzen überschritten worden. Und ich habe das Gefühl, dass sich das noch weiter aufschaukelt. Die ÖVP ist schon sarkastisch: Uns wirft sie dauernd einen Machtrausch vor und in der Sekunde, in der sie den Landtag leiten, lässt sie unsere Abgeordneten nicht sprechen. Das war tatsächlich ein neuer Tiefpunkt. Oppositionspolitik ist wichtig und dient auch der Demokratie, aber das ist Oppositionspolitik die ich nicht mehr nachzuvollziehen ist. Gerade jetzt erwarten sich die Menschen Lösungen und sachorientierte Politik. Ich bin grundsätzlich jemand, der den Konsens sucht, aber das ist mit der derzeitigen Führungsmannschaft der ÖVP eben nicht möglich. Und eine Zusammenarbeit liegt letztendlich immer an den handelnden Personen.

Nächste Sorge: die schleppend anlaufende Corona-Impfung. Wo liegt hier das Problem?

Eisenkopf: Das Problem ist, dass die Länder von den Lieferungen des Bundes abhängig sind. Wir wären im Burgenland organisatorisch-personell so aufgestellt, dass wir 100.000 Menschen pro Monat impfen können.

Jetzt brechen auch noch die Ertragsanteile (Bundes-Steuergelder für Länder und Gemeinden) ein. Was kann man da machen – außer noch mehr Schulden?

Eisenkopf: Es kann nicht so weitergehen, dass wir uns bis zum Hals verschulden. Der Bund hat die Steuerhoheit, er muss sich etwas einfallen lassen. Als Land helfen wir den Gemeinden, Aufwände und damit Geld zu sparen. Wir bieten etwa im neuen Servicereferat für Gemeinden Beratungen für Ausschreibungen oder Datenschutz.

Bleibt Ihnen neben der Arbeit noch genug Zeit für Hund Frankie?

Eisenkopf: Der ist Gott sei Dank sehr genügsam und hat brave „Großeltern“. Ich versuche aber jeden Abend eine Runde Richtung Steinbrunner See mit ihm zu gehen. Aber keine Sorge, verwöhnt wird er genug (lacht).

Aber auch menschlich haben Sie jemanden an Ihrer Seite. Wie passen ein Rockmusiker und eine Spitzenpolitikerin zusammen?

Eisenkopf (lacht): Also musikalisch ist das kein Problem, seine Musik ist schon genau meins.

Und zeitlich? Viel Freizeit bleibt berufsbedingt ja Beiden nicht.

Eisenkopf: Da braucht es ein gutes Zeitmanagement. Corona-bedingt sind die Abende derzeit nicht so voll. Aber auch wenn es dann wieder mit meinen und seinen Terminen losgeht, bin ich sicher, dass wir das managen werden. Für mich wäre es fast schwieriger, einen Partner zu haben, der jeden Tag um vier zuhause ist und wartet, oder gewohnt ist, dass man das ganze Wochenende miteinander verbringt. Das ist schwierig in meinem Job. Aber mit einem Musiker der selbst viel unterwegs ist – da ist das Verständnis dafür da. Ich sehe das also eher positiv. Wichtig sind fixe Ankerpunkte, an denen man sich für den anderen Zeit nimmt.

Was ist Ihr Lieblingslied von ihm?

Eisenkopf: „So samma hoid, so damma hoid“ vom Orange Blues Club, wo er Gitarrist ist.

Interview: Markus Wagentristl