Illedits zur Pflege: „Wertschätzung, nicht nur Applaus“. Landesrat Christian Illedits über die Pflege in Zeiten von Corona und künftige Herausforderungen: Die 24-Stunden-Betreuung soll Landessache werden, der Mindestlohn startet 2021 und an der  Gemeinnützigkeit wird festgehalten.

Von Wolfgang Millendorfer. Erstellt am 21. Mai 2020 (06:40)

Welche Probleme im Bereich der Pflege wurden durch die Corona-Krise verschärft? Welche Probleme wurden erkennbar?

Christian Illedits: Die Corona-Krise hat uns gezeigt, dass wir mit unserem „Zukunftsplan Pflege“ in vielen Bereichen die richtigen Schritte gesetzt haben und sehr gut aufgestellt waren. Die Versorgung der betreuungs- und pflegebedürften Menschen im Land hat gut funktioniert. Jedoch hat die Krise uns auch gezeigt, dass wir diese hohe Qualität und gute Versorgung absichern müssen.

Die 24-Stunden-Betreuung gilt als schwieriger Bereich. Welche Lösungen braucht es in Zukunft?

Die 24-Stunden-Betreuung liegt zu 100 Prozent in der Kompetenz des Bundes. Rund 2.700 Burgenländerinnen und Burgenländer sind auf die 24-Stunden- Betreuung angewiesen. Reisebeschränkungen haben befürchten lassen, dass es zu einer Unterversorgung kommt. Da es um die Betreuungssituation der Burgenländerinnen und Burgenländer geht, haben wir bei der Organisation unterstützend gewirkt. In den nächsten Wochen soll eine Arbeitsgruppe installiert werden, um neue Wege in der Pflege und Betreuung zu erarbeiten. Es ist vorstellbar, dass die 24-Stunden-Betreuung vom Bund in die Kompetenz der Länder wandert.

Es gibt auch Wünsche der Betreiber ans Land – etwa eine höhere Abgeltung für Pflegekräfte. Wie will man dem gerecht werden?

Ab dem 1. Jänner 2021 soll schrittweise der faire Mindestlohn von 1.700 Euro netto bis 1. Jänner 2024 auf die Pflegedienstleister des Burgenlandes umgesetzt werden. In den Betrieben der KRAGES wurde der Mindestlohn bereits eingeführt. Die erfolgreichen Kollektivverhandlungen der Sozialwirtschaft Österreich haben ein Gehaltsplus von 2,7 Prozent für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ergeben. Dies ist ein wichtiges positives Signal.

Wie kann der Pflegeberuf wirklich attraktiver gemacht werden?

Im Burgenland gibt es 6.725 Beschäftigte im Bereich der Pflege und Betreuung. Pflegeberufe gelten im Burgenland als Zukunftsberufe. Daher soll gemeinsam mit den Trägerorganisationen sowie den Einrichtungen und Schulen für Gesundheits- und Pflegeberufe dafür geworben werden, das Ansehen des Berufsstandes zu heben. Die Krise hat diesen Berufsstand eine noch nie dagewesene Wertschätzung entgegengebracht. Aber diese Helden des Alltags verdienen verbesserte Arbeitsbedingungen in Kombination mit einer fairen Entlohnung und nicht nur Applaus. Der Personalschlüssel in Pflegeheimen wird bis 2021 um 20 Prozent erhöht, das führt zu einer Entlastung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und attraktiviert den Arbeitsplatz. Bis 2024 soll es auch eine Ausweitung des Mindestlohnes auf die Pflegedienstleister des Burgenlandes geben.

Das Land hält am „Zukunftsplan Pflege“ fest. Was sind die nächsten Schritte?

Die Krise hat die burgenländischen Maßnahmen im Bereich der Pflege und Betreuung bestätigt. Der „Zukunftsplan Pflege“ wird ohne Zeitverzögerungen umgesetzt. Ein zentrales Ziel ist der Ausbau des Pflegeangebots im Burgenland. Bis 2021 werden im Burgenland rund 240 neue Plätze in Altenwohn- und Pflegeheimen geschaffen. Darüber hinaus soll die Pflegeausbildung forciert werden. Die Qualifizierung im Bereich der Pflege und Betreuung soll auf neue Beine gestellt werden – von der schulischen Ausbildung über das Hochschulangebot bis hin zur Erwachsenenbildung.

Die Debatte um private und gemeinnützige Betreiber hat sich auch in Krisenzeiten gezeigt. Ist es nicht auch Tatsache, dass ohne Private auch Betreuung gefehlt hätte?

Alle Partner haben während der Corona-Pandemie hervorragende Arbeit geleistet. Durch kam es zu keinem Versorgungsengpass in der Pflege und Betreuung im Burgenland. An dieser Stelle darf ich mich bei allen Beteiligten für ihre Arbeit und ihr Engagement bedanken. Die Gemeinnützigkeit im Pflegebereich bleibt weiterhin ein Meilenstein und soll bis 2024 umgesetzt werden. Geld, das aus der Pflege kommt, soll auch wieder in die Pflege fließen. Damit kann die Qualität am Pflegebett gewährleistet werden.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Pflege?

Das Burgenland soll Vorzeigeland im Bereich der Pflege werden. Die Zahl der Über-75-Jährigen wird burgenlandweit bis 2030 um 20 Prozent steigen. Wir wollen den Wunsch der Burgenländerinnen und Burgenländer nachkommen, und eine Betreuung in den eigenen vier Wänden so lange wie möglich sicherstellen. Der 21 Maßnahmen umfassende „Zukunftsplan Pflege“ soll die Betreuung langfristig absichern.