Leonhard Schneemann: "Bin ein Familienmensch“

Der neue Wirtschafts- und Soziallandesrat sprach im BVZ-Interview über Führungsstil und Geschenkannahmen, aber auch über Privates wie Reisen und Musik.

Erstellt am 20. August 2020 | 06:02
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Leonhard Schneemann
Leonhard Schneemann
Foto: Alexandra-Gollubics-Prath

Schneemann: Das war rund eine Woche vor der Angelobung, ich bin gerade von einer Sitzung gekommen und war in meinem Büro. Dann hab ich mich mit meiner Frau und meinem Sohn besprochen. Ich bin ein absoluter Familienmensch, ihre Zustimmung war mir sehr wichtig. Ich hab versucht, alles noch einmal realistisch abzuschätzen, dann hab ich zugesagt.

Bauch oder Kopf – was hat zuerst „ja“ gesagt?

Schneemann: Eher doch der Kopf, ich hab das im politischen Leben immer so gesehen. Es ist wichtig, dass Leute bereit sind, für die Politik zu arbeiten, daher bin ich auch mit Herz dabei.

Sie treten nun also ein typisches Pendler-Dasein an ...

Schneemann: Das bin ich gewöhnt. Als ich Institutsleiter an der Pädagogischen Hochschule war, bin ich auch gefahren. Jetzt kann ich die Fahrtzeit auch für die Arbeit nutzen.

Wird es ab und zu sogar eine Fahrgemeinschaft mit dem Landeshauptmann geben?

Schneemann: Kann durchaus sein. Meine erste Fahrt war bereits mit ihm.

Sie tauschen einen sicheren Top-Job gegen eine Funktion in der Landespolitik ein, die noch dazu als schweres Erbe gilt – warum tun Sie sich das an?

Schneemann: Demokratie lebt davon, dass man auch etwas für die Allgemeinheit tut. Ich hoffe, dass es zukünftig noch viele Leute gibt, die dazu bereit sind. Dafür gibt es unsere Parteienlandschaft. Das ist wertvoll und sollte nicht durch Commerzialbank-Diskussionen beschädigt werden. Denn das ist ein Kriminalfall, den es aufzuklären gilt.

Die ÖVP erwartet sich, dass Sie von Beginn weg an einer Aufklärung mitarbeiten ...

Schneemann: Selbstverständlich, wir werden alles tun, um die Aufklärung zu unterstützen. Man muss sich jetzt auch einmal die Aufsichtsebenen anschauen, Verantwortlichkeiten abchecken und den politischen Diskurs führen – auf Sachebene. Wenn es politische Verantwortlichkeiten gibt, muss man die Konsequenzen ziehen, keine Frage. Aber in erster Linie ist es ein Betrugsfall. Bezüglich der angekündigten Arbeitsstiftung wollen in den nächsten Wochen Lösungen präsentieren.

Puchers Anwalt zufolge sollen auch diverse Bürgermeister teure Geschenke bekommen haben. Als ehemaliger Ortschef: Hätten Sie ein derartiges Geschenk angenommen?

Schneemann: Nein. Wenn man irgendeine Tafel bekommt, die man im Gemeindeamt in die Vitrine stellt, ja, warum nicht. Aber wenn es sich um einen hohen Wert handelt, dann ist es eindeutig klar, dass solche Präsente nicht anzunehmen sind.

Ihr Wirtschafts-Know-how gilt unbestritten, vereinzelt gibt es Zweifel an Ihrer sozialpolitischen Kompetenz. Aktuell übt etwa auch ein ehemaliger Mitarbeiter in einem Posting Kritik ...

Schneemann: In den sieben Jahren, wo ich das Unternehmen leiten durfte, gab es natürlich ein paar wenige Ausnahmefälle, wo man sich von Mitarbeitern verabschieden musste. Diesen gingen aber auch immer Gespräche voraus. Daraus kann man keinen Führungsstil ableiten. Ich bin immer um Lösungen für Mitarbeiter bemüht, aber man muss ein Unternehmen auch nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten führen.

Das Verhältnis von Wirtschaftskammer und Ihren Vorgängern war nicht immer ein ungetrübtes. Wie ist Ihr Einvernehmen mit WK-Präsident Peter Nemeth?

Schneemann: Ich kenne Präsident Nemeth und war selbst in der Wirtschaftskammer Österreich im Fachausschuss für Gesundheitsbetriebe, war da bei den letzten Kollektivvertragsverhandlungen dabei. Dort wurde unisono festgestellt, wie wertvoll es ist, unabhängig von Parteigrenzen zusammenzuarbeiten. So soll es auch mit der Wirtschaftskammer sein.

Bei Betriebsansiedlungen im Norden gab es zuletzt oft Widerstand von Anrainern – wie viel Natur und Lebensqualität muss für Wirtschaftsentwicklung weichen?

Schneemann: Das ist eine Gratwanderung, die Bedenken der Anrainer sind natürlich ernst zu nehmen. Man muss einen Ausgleich schaffen zwischen dem, was noch zumutbar ist und was nicht. Wir wollen sehr viel in Forschung und Entwicklung investieren, die Wirtschaft lebt davon, dass man Projekte in diese Richtung vorantreibt. Wir sind gut aufgestellt, aber wir haben da noch Potential nach oben.

Was den Pflegebereich betrifft, hört man seit Jahren vom Fachkräftemangel. Gibt es Pläne, wie man da gegensteuern könnte?

Schneemann: Unser Ansatz muss sein, möglichst viele Pflegekräfte aus dem eigenen Land rekrutieren zu können. Gerade in der Corona-Zeit haben wir gesehen, welche Engpässe entstehen können, wenn man von ausländischen Kräften abhängig ist. Hier hat sich unser Anstellungsmodell als krisensicher erwiesen. Die Pflege zu Hause ist ein wichtiger gesellschaftlicher Beitrag.

Der Bereich Jagd und Fischerei ist in Ihre Zuständigkeit gewandert, der Sport zu Landesrat Dorner – auf wessen Wunsch?

Schneemann: Das war mein Wunsch. Ich bin durchaus nicht unsportlich und versuche auch, mich fit zu halten. Aber ich bin nicht der Fußballer und bei uns ist im Sport Fußball dominant. Für mich ist das Jagen wirklicher Ausgleich. Da geht es nicht nur ums Abdrücken, sondern um Hege und Pflege der Natur.

Sie sind auch begeisterter Musiker, spielen Akkordeon, Orgel und Trompete: Bleibt dafür noch Zeit?

Schneemann: Wenig. Ich habe mein Studium mit Musik finanziert, wir haben in diversen Formationen Tanzmusik gemacht. Ich habe auch über 30 Jahre im Kirchenchor gesungen. Derzeit beschränkt sich das eher auf Hausmusik zu Weihnachten.

Zu Ihren Hobbies zählt auch das Reisen – wie haben Sie es damit heuer gehalten?

Schneemann: Ich wäre mit meinem Sohn in die Schweiz geflogen. Mit ihm mache ich immer Städte-Reisen, das ist eine Vater-Sohn-Sache. Die Reise mussten wir heuer Corona-bedingt aber absagen. Wir waren schon in Indien, der amerikanischen Ostküste und voriges Jahr in Afrika. Reisen bildet, außerdem sieht man im Ausland erst so richtig, was für hohe soziale Standards wir haben. Und wie sauber alles ist. Es ist immer wieder schön, nach Hause zu kommen.