Kölly: „Wir sind die ehrlichen Blauen im Burgenland“. Manfred Kölly teilt kräftig aus: Doskozil hält er für gefährlicher als Niessl, zudem will er Molnar als FPÖ-Chef & den Landesräten vor der Wahl die Dienstautos entziehen.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 28. August 2019 (07:26)
Alexandra Gollubics-Prath
Angriffslustig. Liste Burgenland-Chef Manfred Kölly zeigt sich im BVZ-Sommergespräch auf der „Alm“ in Eisenstadt mit Chefredakteur Markus Stefanitsch (l.) sehr kämpferisch und optimistisch für die Landtagswahl.

BVZ: Landesvize Tschürtz (FPÖ) wünscht sich Landeschef Doskozil (SPÖ) als Kanzler. Sie auch?

Manfred Kölly: Er soll einmal rechnen lernen! Dann ist klar, dass sich das nicht ausgehen wird, weder Bundes- noch Vizekanzler und Doskozil hat die große Freude im Burgenland. Außerdem hat er es mit der FPÖ als Steigbügelhalter ja viel leichter. Und in der nächsten Periode wird er genau das gleiche tun.

Das heißt, Sie rechnen auch nicht mit einer Neuauflage der großen Koalition im Bund?

Sicherlich nicht. Da sind die Gräben viel zu tief und das wird nicht funktionieren. Doskozil ist auch nicht der Wunderwuzzi, wenn er da als Vizekanzler hinaufgehen würde.

Gollubics-Prath
Liste Burgenland-Chef Manfred Kölly

Glauben Sie, dass die Kurz-ÖVP einen Kantersieg einfahren wird?

Auch das glaube ich nicht. Auch da wird ja noch einiges auftauchen und ich schätze, sie werden 33 bis 35 Prozent erreichen.

Sie kennen ja die FPÖ ganz gut. Sind Sie der Meinung, dass die Ibiza-Affäre nur Strache und Gudenus betrifft?

Ganz sicher nicht! Wenn das nicht besprochen wird, frage ich mich, ob das eine Partei ist, die nicht offen ist. Auch Norbert Hofer hat das alles gewusst. Jetzt so zu tun, als ob man nichts gewusst hätte und ein schönes, scheinheiliges Gesicht zu machen ist zu wenig für mich.

Doskozil ist im Finanzbereich gefährlicher als Niessl

Kann man den Wahlkampf der Liste Burgenland unter dem Motto „Totgesagte leben länger“ titulieren?

Nein, wir sind nicht totgesagt. Wir sind gut aufgestellt in allen Bezirken, weil unsere Mitglieder für den Menschen und nicht für die Partei arbeiten möchten. Jeder hat andere Ansichten, aber man muss das zulassen. In einer Partei darf man das ja nicht. Da glaube ich schon, dass wir eine Riesenchance haben. Mir ist Qualität wichtig und da ist oft weniger mehr.

Wofür steht die Liste Burgenland?

Macht braucht Kontrolle. Wir stehen für den Menschen und wollen diesen auch vertreten.

Sie wollen also im Wahlkampf oberster Regierungskritiker sein?

Selbstverständlich. Ich kann nicht hergehen und lauter Versprechen machen und nach der Wahl sieht alles wieder anders aus. Wir wissen, wie die Gemeinden finanziell aufgestellt sind und Doskozil belastet die Bevölkerung noch mehr. Gratiskindergarten, Mindestlohn und Bio – wohlwissend, dass das nicht funktioniert. Doskozil ist im Finanzbereich gefährlicher als Niessl. Ich wäre auch dafür, dass beim Wahlkampf sämtliche Regierungsautos garagiert werden. Die Regierungsmitglieder fahren jetzt nämlich monatelang mit Steuergeld im ganzen Land wahlkämpfen.

Was ist Ihr Wahlziel?

Stärker zu werden. Wir möchten auch noch ein drittes Mandat schaffen.

Der Wunsch ist ja schön und gut, aber wo holt Manfred Kölly die Stimmen her?

Manfred Kölly muss sich keine Stimmen holen, die Liste Burgenland macht aufmerksam, wie wir für den Menschen arbeiten möchten. Wir werden sehr viele FPÖ-Stimmen bekommen, weil wir die „ehrlichen Blauen“ sind. Wir stehen noch immer zu unseren Aussagen und haben nichts über Bord geworfen. Das spüren die Leute.

Hutter ist ein feiner Bursch, aber sein Charakter hat mich enttäuscht

Was war der wahre Hintergrund für die Trennung von Hutter?

Das weiß ich jetzt, damals wusste ich es nicht. Ein sicheres Mandat bei der SPÖ, auf die er immer geschimpft hat.

Gibt es noch eine Gesprächsbasis mit Gerhard Hutter?

Hutter ist ein feiner Bursch, aber sein Charakter hat mich enttäuscht. Er soll sein Landtagsmandat sofort zurücklegen.

Hat es für Sie auch ein Angebot gegeben?

Natürlich, aber ich gehe da meine eigene Linie und bin immer gegen den Strom zur Quelle geschwommen.

Wollen Sie im Burgenland mitregieren?

Immer! Mitregieren selbstverständlich, aber auch Kontrollorgan zu sein ist ein ganz wichtiger Faktor.

Alexandra Gollubics-Prath
Liste Burgenland-Chef Manfred Kölly

Hat es bei der Wahl 2015 eigentlich wirklich den Plan für einen schwarzen Landeshauptmann gegeben?

Interessant ist ja, dass der jetzige ÖVP-Obmann Steiner damals im Verhandlungsteam war. Die ÖVP hätte die Möglichkeit zum Landeshauptmann gehabt. Aber die sind erst sechs Tage nach der Wahl mit einem Angebot dahergekommen. Niessl hatte da schon längst alles geregelt.

Ist es noch ein politischer Traum Landesrat zu werden?

Wenn ja, Wirtschaftslandesrat, weil es mich interessiert und ein wichtiger Faktor ist.

An welche Konstellation glauben Sie im Burgenland?

Ich denke, es wird weiter rot-blau geben. Aber Thomas Steiner biedert sich bei der SPÖ ja direkt an. So gesehen, ist alles noch offen.

Geza Molnar ist ein guter Mann, der statt Tschürtz Verantwortung übernehmen kann – das wäre eine Idee

Sie hatten ja eine blaue Vergangenheit. In der Gegenwart ist das Verhältnis Tschürtz und Kölly ja ein bisschen so wie Kapfenberg gegen Simmering.

Hans Tschürtz ist ein lieber Bursch‘, aber kein Politiker und vom sachlichen Wissen fehlt ihm weit etwas. Hofer hat den Regierungsdeal für die FPÖ ausverhandelt und Tschürtz hat den Landesvize dankend angenommen. Geza Molnar ist ein guter Mann, der statt Tschürtz Verantwortung übernehmen kann – das wäre eine Idee.

Die FPÖ hat es aber als Juniorpartner in der Regierung etwas schwieriger. Was hätten Sie sich von der FPÖ bei diesem Kräfteverhältnis erwartet?

Transparenz und Ehrlichkeit. Die FPÖ schimpft immer auf den ORF, aber unseren Antrag zur Abschaffung der GIS-Gebühren haben sie abgelehnt.

Glauben Sie nach der Landtagswahl an eine Fortsetzung von Rot-Blau oder an SPÖ-ÖVP?

Doskozil ist ein guter Taktiker. Er wird versuchen, mit allen auf einer Linie zu fahren und hält sich die FPÖ auch warm.

Wie ist Ihr Standpunkt beim Thema Pflege und 1.700-Euro-Mindestlohn?

Bei alldem fehlt mir nach wie vor die Antwort, wie das alles finanziert werden soll. Vor allem die Frage des Mindestlohns. Bei der Pflege haben wir immer darauf hingewiesen, dass es zu wenig diplomierte Pflegekräfte gibt Wir brauchen die ausländischen Pflegekräfte. Bei den Pflegeheimen selbst wird nur in roten Gemeinden ausgebaut. Da geht es nur um Parteipolitik und nicht um die Menschen.

Andere in Ihrem Alter gehen in Pension. Sie sind jetzt 65. Wann gehen Sie in Pension?

Ich bin einer, der Herausforderungen annimmt. Nach der Nationalratswahl wird bekannt gegeben, wer Spitzenkandidat wird. Wir sind dabei, das Team neu aufzustellen. Und da wird es noch Überraschungen geben.