Puchers Gattin im U-Ausschuss: "Wir waren fassungslos". Die Gattin von Ex-Bankchef Martin Pucher steht dem Untersuchungsausschuss Rede und Antwort. Unter Tränen verlas sie ein erstes Statement und entschuldigte sich bei Geschädigten: "Unser Leben hat sich schlagartig geändert."

Von Wolfgang Millendorfer. Update am 02. Dezember 2020 (19:04)
Wolfgang Millendorfer

Der Nachmittag brachte im Commerzialbank-U-Ausschuss die mit Spannung erwartete Befragung von Elisabeth Pucher, der Frau von Ex-Bankchef Martin Pucher.

Vor den Fragerunden verlas Pucher, teils unter Tränen, eine persönliche Stellungnahme, mit der sie auch „allen Personen, die durch die Malversationen meines Mannes Schaden erlitten haben, mein aufrichtiges Bedauern ausdrücken“ wolle.

„Die Bank war tabu“

Auch sie und ihre Töchter seien „ahnungslos und fassungslos“ gewesen: „Mein Mann war jemand, zu dem wir aufgesehen haben und der jedem geholfen hat. Seine Sorge, die letztlich wohl auch seine Schlaganfälle auslöste, und Berufliches hat er nie mit uns besprochen. Die Bank war tabu.“

Fragen dazu habe Martin Pucher „seinem Naturell entsprechend oft auch harsch abgeblockt“. Seine Frau meint: „Im Nachhinein ist alles klarerer, zum Beispiel, warum wir nie länger auf Urlaub fahren konnten und warum er nach seinen Schlaganfällen so rasch wieder in die Bank zurückkehren wollte und seine Funktionen nicht zurücklegen wollte.“ 

Ihr Leben und das ihrer Töchter habe sich mit dem 14. Juli, als die Malversationen aufflogen, „schlagartig geändert, es hat uns den Boden unter den Füßen weggezogen. Unser soziales Umfeld ist für immer zerstört, weil auch Bekannten Schaden zugefügt wurde.“

Zugleich betonte Pucher, dass ihr Mann nach ihrer „Wahrnehmung und Überzeugung kein Geld und keine Vermögenswerte zur Seite geschafft“ habe, „wodurch er sich selbst und meine Familie bereichert hätte“. Sie wolle, wie auch Martin Pucher, zur Aufklärung beitragen, „zumal auch wir uns Klarheit in vielen offenen Fragen wünschen“. 

"Dieser Mann war nie glücklich"

Elisabeth Pucher klärte den U-Ausschuss auch über jene Personen auf, die sie informierte, als ihr Mann ihr von den Malversationen erzählt habe, darunter Franziska Auer, Bezirkshauptfrau in Eisenstadt-Umgebung, die ebenfalls noch befragt wird.

Martin Pucher habe ihr am Abend vor dem 14. Juli gesagt, dass die Bank in eine „Schieflage“ geraten und nur mehr eine Selbstanzeige möglich sei, sagte seine Frau vor dem U-Ausschuss: „Ich danke Gott dafür, dass er mir nicht Näheres gesagt hat, denn ich weiß nicht, wie das ausgegangen wäre.“ Sie gab auch Einblick in das Familienleben und die Persönlichkeit ihres Mannes: Er habe ständig gearbeitet und sei an den Wochenenden nur mit dem Sport beschäftigt gewesen, um abzuspannen: „Ich wünsche meinen Töchtern so einen Mann nicht, sage ich ganz offen. Ich habe immer den Fehler bei mir und meiner Familie gesucht, weil dieser Mann nie glücklich war.“

Hoffen auf Umwelt-Patente

Die Commerzialbank habe sie immer als „schmuckes, kleines Institut“ erlebt, das nun Geschichte sei. „Es tut mir sehr leid, dass der SVM geschlachtet wurde“, sagte Pucher zum Ende des SV Mattersburg, das mit jenem der Commerzialbank einherging. Der Fußballverein habe vielen Menschen viel bedeutet, sie selbst habe aus Liebe zu ihrem Mann mitgeholfen. Den VIP-Club des SVM bezeichnete Pucher als „Ort, wo Karrieren gemacht wurden“, damit meine sie aber nicht die Politik. Und weiter: „Ich sage das mir gegenüber uncharmant: Ich war nichts anderes als ein Pausenclown. Vor mir und den anderen Frauen wurde mit Sicherheit kein Thema besprochen, das nicht für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen wäre.“

Der 15. Juli sei der bislang schlimmste Tag ihres Lebens gewesen: „Da saß ich neben meinem Mann und neben den Anwälten und er hat drei Stunden lang durchgesprochen. Da ist das alles bei mir eingefahren. Dann habe ich das ganz große Bild gesehen, das schlimmer ist als jeder Horrorfilm.“ Alles was über die Familie hinaus zähle, sei die Wiedergutmachung, sagte Elisabeth Pucher. „Auch wenn das paradox klingt“, meinte sie, es gebe sogar Hoffnung für die Geschädigten durch die Umwelt-Patente ihres Mannes.

Thema war in der Befragung auch das Verhältnis Martin Puchers zu Landespolitikern wie Hans Niessl, Hans Peter Doskozil, Christian Illedits, Ingrid Salamon oder Karl Kaplan. Elisabeth Pucher sagte, sie habe keine Kenntnis zu Naheverhältnissen. „Mein Mann war schnell mit jemandem per Du.“ SVM-Karten hätten die Politiker selbst bezahlt, Einladungen habe es nur in den Anfangszeiten gegeben.