Tiefe Erinnerungslücken bei Ex-Vorständin und Prüfer. Der 18. Befragungstag im Commerzialbank-Untersuchungsausschuss legte einen holprigen Start hin. Der erste Zeuge, ein Burgenländischer Nationalbank-Mitarbeiter, hatte mit Bankenprüfung nichts zu tun. Ex-Vorständin Maria Pleier erschien nach Absagen am Nachmittag doch vor dem Ausschuss - allerdings mit großen Erinnerungslücken. Der ehemalige Cb-Wirtschaftsprüfer Gerhard Nidetzky überraschte - in negativer Hinsicht - mit noch größeren Erinnerungslücken.

Von Markus Wagentristl. Erstellt am 11. Februar 2021 (12:55)
Commerzialbank Untersuchungsausschuss Tag 18
Markus Wagentristl

„Wir starten mit der Befreiung… ich meine natürlich: Befragung des Zeugens“, startete Ausschussleiterin Verena Dunst mit einem Freud’schen Versprecher in den 18. Befragungstag. Es sollte der humoristische wie leider auch inhaltliche Höhepunkt des Vormittages bleiben: Der geladene Zeuge, ein Mitarbeiter der OeNB aus dem Burgenland, hatte beruflich nie etwas mit der Bankenprüfung zu tun.


Die Bewegungen auf seinem Konto (das nicht bei der Commerzialbank war), konnten schnell als für die Causa als nicht relevant bewiesen werden.


Da war also inhaltlich nichts zu holen, drei der vier Parteien stellten auch gleich dar, nichts mit der Einladung des Herren zu tun zu haben, vielmehr sei ein falscher Medienbericht daran schuld.

Derzeit läuft die Befragung der Ex-Vorständin Maria Pleier, die  zu vorherigen Ladungen aufgrund ihres Gesundheitszustandes nicht erscheinen konnte.

Wissenslücken bei Ex-Vorständin

Maria Pleier, Ex-Commerzialbank-Vorständin, hätte bereits vor dem Ausschuss erscheinen sollen, tat das aber aus gesundheitlichen Gründen nicht. Diesmal kam sie, auch wenn es um die Gesundheit heute nicht besser stehe, wie sie in ihrem kurzen und mit brüchiger Stimme vorgetragenen Eingangsstatement darlegte: „Die Nachricht vom 15. Juli hat mich zu tiefst betroffen. Schrecklich was da passiert ist! Ich habe es lange nicht glauben können. Das Ereignis hat mich derart aus der Bahn geworfen, dass ich psychische Probleme bekam: Mein Gedächtnis lässt nach, ich habe auch große Konzentrationsprobleme.“

Sie trat 1973 in die Raiffeisenbank Stöttera als Schalter-Mitarbeiterin ein, wurde Prokuristin noch zu Raika-Zeiten und ebenfalls damals Geschäftsleiterin, mit der Commerzialbank-AG-Gründung 1995 kam sie in dessen Vorstand.

Das Verhältnis zu Pucher war „anfangs erst enger, dann ein normales Verhältnis – er hat ja selten Zeit gehabt“. Woher sie Pucher gekannt habe? „Wir sind im selben Autobus nach Eisenstadt gefahren.“

Das Verhältnis zur Pucher-Vertrauten Franziska Klikovits war da schon komplizierter: „Es war nicht das beste Verhältnis. Ich hatte das Gefühl, sie hat einen Geltungsdrang und ich wollte nicht in Konkurrenz zu ihr stehen.“

Und das Verhältnis zwischen den Pucher und Klikovits, das sich ab 2015 deutlich verschlechtert haben soll? "Keine Wahrnehmung."

"Wegschau-Genossenschaft der kollektiven Ahnungslosigkeit mit beschränktem Interesse“

Generell taten sich die Wissens- und/oder Erinnerungslücken auf. Die Bestellung des Wirtschaftsprüfer Gerhard Nidetzky, Geschenklisten, Geschenk-Größe, Politikerbesuche, Vorstandssitzungen, Aufsichtsratssitzungen, vorstandsbetreute Kredite – Pleier wusste von nichts und wollte davon auch nie etwas wissen. Das hätte alles Pucher geregelt. Protokolle und Bilanzen unterschrieben hätte sie dennoch – „ungeschaut“, so Pleier: „Ich hab den Prüfern und dem Pucher vertraut.“

Überraschend ist nur, dass sich Pleier bei scheinbar harmlosen Fragen – wie der Arbeitsverteilung im Vorstand – zu entschlagen versucht. Verfahrensleiter Walter Pilgermair belehrt: Sie habe generell Auskunftspflicht, könne sich aber bei Selbstbelastung entschlagen. Da der Commerzialbank-Masseverwalter mit Geldforderung an Pleier herangetreten sei, könne sie daher keine Versäumnisse ihrerseits Preisgeben, da Selbstbelastung und damit vermögens- wie strafrechtliche Nachteile entstehen können, erklärt ihr Verfahrensanwalt.

Regina Petrik (Grüne) fasste den Auftritt treffend zusammen: Für sie wirke das Commerzialbank-Konstrukt wie eine "Wegschau-Genossenschaft der kollektiven Ahnungslosigkeit mit beschränktem Interesse“. Ob Pleier den Eindruck widerlegen könne? Pleier, die davor noch einen Rekordwert an Entschlagungs-Phrasen aufgestellt hatte, darauf nur lapidar: "Den Eindruck hab ich nicht."

„Der Auftrag war für mich nicht wichtig“

Da glaubte man schon, Pleiers Erinnerungslücken seien tief, da trat Gerhard Nidetzky als letzter Befragter des Tages auf. Er hatte schon vor 1995 Geschäftsbeziehung mit der Landesregierung als Steuerberater in verschiedenen Causen und auch für eine Landestocher (die er trotz Verschwiegenheitspflicht übrigens beim Namen nannte). Der Cb-Prüfauftrag sei für ihn „wirklich nicht wichtig gewesen“, er habe vielleicht 2.000 Euro für die Prüfung bekommen. Geprüft habe er mit Kollegen, aber zu allen Details hieß es immer wieder nur: „Das ist so lange her, ich bin schon froh, wenn ich mich an den Stix erinnern kann.“ Die Landesregierung übernahm von Raiffeisen 1995 die Rolle des Revisionsverbandes, der angesprochene Landeshauptmann Karl Stix beauftragte Nidetzky damals mit der Prüfung des Cb-Genossenschaft. Der stellte er den uneingeschränkten Bestätigungsvermerk aus, während Raiffeisen davor noch gröbste Mängel festgestellt hatte. Wie gut er und seine Nachfolgefirma TPA diese Prüfung also erfüllt hatte, fasste Nidetzky selbst zusammen: „Das sagen jetzt alle derzeit – die FMA, die OeNB, die Politik, die Medien: Die Wirtschaftsprüfer sind die Trotteln.“ Aufgefallen sei ihm jedenfalls nichts. Und erinnerlich ist ihm anscheinend noch weniger.

Was sich allerdings noch als spannend erweisen könnte, war Nidetzkys Schlusswort: Er sieht den Revisionsverband (das Land Burgenland) nicht mit der Bestellung des Prüfers aus allen Pflichten entbunden. Die Feststellung der Fähigkeit der Aufsichtsräte oder Vorstandes, so Nidetzky, würde - je nach Rechtslage - sehr wohl dem Revisionsverband obliegen.