Corona, das Baby und wir. In Corona-Zeiten kommt zu den Gedanken, ob es Kind und Mutter gut geht, auch das Pandemie-Dilemma hinzu. Der Zauber der Geburt bleibt dennoch ungebrochen.

Von Markus Stefanitsch. Erstellt am 05. Februar 2021 (12:10)
Baby-Besuch in Corona-Zeiten. Die Geschwister durften nur durch das Fenster das Neugeborene sehen.
BVZ

Jedes Baby, das im Jänner 2021 auf die Welt gekommen ist, ist wohl gleichzeitig auch ein Lockdown-Baby. Und vermutlich dürften die wenigsten Eltern, als sie irgendwann im Frühjahr 2020 Gewissheit über die Schwangerschaft hatten, im Entferntesten daran gedacht haben, dass diese Pandemie bis ins nächste Jahr, bis heute, andauern würde. Ganz zu schweigen, dass die gesamte Schwangerschaft bis hin zur Geburt komplett unter dem Damokles-Schwert von Corona stehen würde.

Dabei war der Sommer im vergangenen Jahr beinahe ein ganz normaler. Viele Sonnentage, das Corona-Virus war bekanntlich mit dem Auto in Kroatien, Italien und sonst wo unterwegs – und meine Frau genoss ihre Schwangerschaft. Unbeschwert und mit der leisen Hoffnung, das Virus geht auch mit dem Sommer vorbei. Trotz aller Unkenrufe, es werde ein schlimmer Herbst bevorstehen, machte man sich hinsichtlich Geburt und weiterer Lockdowns kaum Gedanken.

Doch dann kam der Herbst und der Geburtstermin im Jänner rückte immer näher. Die Zahlen schossen durch die Decke und das aktive Leben wurde gegen Null runtergeschraubt.

Langsam war eine gewisse Unruhe zu spüren. Die Mutter-Kind-Untersuchungen fanden unter strengsten hygienischen Sicherheitsvorkehrungen statt. Und natürlich kamen auch Gedanken an die Möglichkeit der Corona-Erkrankung der werdenden Mutter. Könnte Corona auch dem Kind schaden? Können die anderen Kinder das Virus vom Kindergarten einschleppen? Bringt’s der Vater aus den sporadischen Bürobesuchen mit nach Hause?

All diese Fragen – und je näher der Geburtstermin rückte, umso vorsichtiger wurde der Umgang auch mit Familienbesuchen. Und dann rund um die Weihnachts-Feiertage der Super-Gau: Eine Oma und ein Opa sowie ein größerer Kreis der Familie sind Corona-positiv. Natürlich hatten wir, wie erlaubt, auch am 25. Dezember Kontakt. Das Virus macht ja in der Familie nicht halt und überträgt sich genau dort, wie auch Studien zeigen, am besten.

Es war ein kleines Weihnachtswunder: Alle Personen vom 25. Dezember waren positiv – nur meine Frau und ich nicht. Komisch, ist aber so.“

Doch es war ein kleines Weihnachtswunder für uns: Alle Personen vom 25. Dezember waren positiv – nur meine Frau und ich nicht. Komisch, ist aber so.

Die Erleichterung war natürlich riesig. Aber dieser kurze Ausflug in ein „Risikogebiet“ war uns Zeichen genug, um uns über die restliche Zeit bis Jahresende beinahe gänzlich von der Außenwelt abzukapseln. Viele Spaziergänge an der frischen Luft und sozialer Kontakt nur im Freien mit Abstand.

Geburt mit Corona?

Ständig von den Gedanken begleitet, wie die Geburt verlaufen werde. Was ist, wenn uns Corona doch irgendwie erwischt? Wenn wir gemeinsam ins Spital fahren und dann der verpflichtende Test vor Ort positiv ist, muss meine Frau das Kind alleine auf die Welt bringen. Also nicht ganz alleine, aber ohne ihren Mann. Eine Horrorvorstellung. Nicht nur für meine Frau.

Klar, früher war das ganz normal: Die Frau bekam das Kind und der Mann kam nach dem Wirtshaus im Krankenhaus auf einen Sprung vorbei – oder manchmal erst am Wochenende, wenn er vom Arbeiten in Wien heimgekommen ist. Doch heutzutage will man das gemeinsam erleben. Auch wenn die Frau das Kind bekommt, so kann der Mann doch das eine oder andere Prozent zur Unterstützung an wertvollen „Hilfsarbeiten“ leisten. So sieht es zumindest meine Frau. Und dann war es soweit: Am 2. Jänner um 4 Uhr morgens weckte sie mich mit dem dezenten Hinweis, dass es „Zeit warad“.

Jetzt musste es schnell gehen. Da die einen Großeltern samt Tante und Co. im Ort in Quarantäne waren, musste die andere Oma frühmorgens aus knapp 30 km Entfernung herhalten, um auf die drei anderen schlafenden Kinder aufzupassen, während Mama und Papa ins Spital fuhren.
Auf dem Weg ins Krankenhaus Oberpullendorf, war neben der Anspannung der bevorstehenden Geburt, die bei jedem Kind gleich ist, vor allem die Nervosität des Corona-Tests allgegenwärtig. Im Spital angekommen, wurden wir in einen Extra-Raum gebracht – die offizielle Teststation war um diese Zeit noch nicht offen.

Also „bohrte“ uns eine Ärztin irgendwo zwischen Kreißsaal und Schlaflabor in der Nase und im Hals herum. Danach folgten die wohl längsten 15 Minuten der Schwangerschaft. Wenn die Frau positiv wäre, würde die Geburt in einem abgeschotteten Bereich stattfinden. Wenn der Mann positiv ist, muss er heimfahren und die Frau um 5 Uhr alleine im Spital lassen. Hunderte Gedanken, nur ein Ziel: Wir müssen beide negativ sein. Der einzige Wunsch in diesen Minuten. Abgesehen davon, dass es dem Kind im Bauch gut geht.

Exakt 15 Minuten später die große Erleichterung: Beide negativ. Im Anschluss folgte das fast normale Programm: Aufnahme. Presswehen. Kreißsaal. Alles mit Masken natürlich, aber Hauptsache zu zweit – beziehungsweise zu dritt. Eineinhalb Stunden später war unser Oscar gesund auf der Welt. Die Tage danach waren ebenfalls stark Corona-geprägt. Die Geschwister durften nicht ins Spital und durften ihren neuen Bruder nur von außen durchs Glas kurz betrachten. War zwar herzzerreißend, aber die Kinder steckten das, wie so vieles, viel lockerer weg als die Erwachsenen. „Blödes Corona-Virus. Aber zu Hause halte ich dann den Oscar“, war der lapidare Satz unserer 4-jährigen Tochter an der Fensterscheibe.

Ein Besuch pro Tag für Vater

Als Vater durfte man einmal pro Tag auf Besuch kommen – selbstredend nur mit Schnelltest im Spital. Hauptsache man durfte überhaupt rein und den neuen Erdenbürger im Arm halten. Auf der Station durfte man nur im Zimmer sein. Alles andere organisierten die Stationsschwestern, die trotz aller Widrigkeiten ihre Herzlichkeit für die werdenden Mütter nicht verloren hatten. Nach zwei Tagen verließ meine Frau wieder das Spital. Auch Corona-bedingt. Denn normal hätte sie sich ein paar Tage mehr an Erholung verdient. Zu Hause warteten die anderen Kinder auf ihre Mama – und ab da ist es mit der Ruhe vorbei.

Letztlich bleibt eine große Erkenntnis: Corona hat vieles erschwert, kann aber niemals den Zauber einer Geburt nehmen.