Jung und in der Krise. Die Alarmglocken läuten schon längst – jetzt geht‘s um positive Signale für Kinder und Jugendliche. Das sagen die Experten.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 22. April 2021 (05:59)
Symbolbild

Die Ergebnisse aktueller Studien und Umfragen liegen auf der Hand, erschrecken in ihrer Deutlichkeit aber trotzdem: Gut zwei Drittel der Kinder und Jugendlichen sagen, dass es ihnen seit Beginn der Pandemie schlechter geht.

Roland Grassl, Leiter Kinder- und Jugendpsychiatrie beim PSD
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Mangelnde Sozialkontakte, wenig Freizeitmöglichkeiten oder On-off-Betrieb in Schulen und Kindergärten als ständige Nervenprobe sind das eine – psychische Krankheitsbilder stehen am anderen Ende der Belastungskette.

„Depressionen und Angststörungen sind schon bei Erwachsenen repräsentativ angestiegen. Das beeinflusst auch Kinder und Jugendliche unmittelbar“, bestätigt Roland Grassl, Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie beim Psychosozialen Dienst, die Probleme auch in jungen Jahren.

In den Einrichtungen im Burgenland sind die Beratungen ebenfalls rapide angestiegen. Eine stationäre Aufnahme im Land ist zwar nicht möglich, die

Kinder- und Jugendanwalt Christian Reumann
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Institutionen greifen aber zusammen, wo es nur geht. Vermittelt wird man in der Kinder- und Jugendanwaltschaft des Landes, wo Christian Reumann auch den Eltern rät, „die eigene Angst zu prüfen“, denn: „Die Orientierung ist für alle schwierig. Wie man damit umgeht, das wirkt sich auf die Kinder aus.“

„Auch Eltern dürfen sich Hilfe holen …“

Ein direkter Tipp geht also an die Erwachsenen: „Generell gilt: Man darf sich Hilfe holen. Und sei es nur, wenn man sich schwertut, die Situation einzuschätzen und zu erklären.“

Margret Jandl, Leiterin Kinderschutzzentrum Rettet das Kind
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In unsicheren Zeiten sind Kinder nämlich noch stärker auf das Verhalten der Eltern fokussiert, weiß Margret Jandl vom Kinderschutzzentrum in Eisenstadt: „Den Tag zu strukturieren, wirkt gegen Chaos und gibt Sicherheit. Und Bewegung an der Luft hilft physisch und psychisch.“ Die Lockdown-Situationen haben bereits jetzt das Leben der Kinder und Jugendlichen massiv verändert: "Der regelmäßige Schulbesuch, der Kontakt mit Freunden und Freundinnen und der soziale Austausch mit Gleichaltrigen sind wichtige Faktoren für die psychosoziale Gesundheit junger Menschen", betont Jandl. Umso mehr brauche es jetzt klare Strukturen in der Schule und nicht zu viele wechselnde Situationen.

Mit der Rückkehr in den Präsenzunterricht sei zwar „noch nicht alles getan“, Psychologen bestätigen dies aber als Schritt in eine gewisse Normalität. „Daher sind wir bemüht, soweit es die Entwicklung zulässt, Kindergärten und Schulen weitgehend offen zu halten“, verweist Landesrätin Daniela Winkler auf den „gewohnten Lebensrhythmus“.

Das Land hat die Unterstützung nicht nur im schulischen Bereich aufgestockt; weitere Mittel kündigt auch SPÖ-Sozialsprecher Roland Fürst an.

Infos zu Beratungen auf www.burgenland.at und auf www.psychosozialerdienst.at