Lockdown-Solidarität: „Burgenland ist ja keine Insel“

Keine Lockerung, sondern das Gegenteil, auch im Impf-Vorzeigeland. Warum man trotzdem (noch) keinen eigenen Weg geht.

Erstellt am 25. November 2021 | 04:51
Coronavirus
Symbolbild
Foto: shutterstock.com

Drei Viertel der burgenländischen Bevölkerung sind zumindest einmal geimpft, die Zahlen in den Spitälern bleiben relativ konstant – könnte das Land den Lockdown also bereits nach zehn Tagen beenden?

Ein Gedankenspiel, das angesichts der zu erwartenden Entwicklung in den Spitälern und in anderen Bundesländern müßig erscheint. Und auf das man sich seitens der Landesregierung auch nicht einlassen will.

Wir wissen, wie wir rauskommen, aber da ist eben eine Impfung dazwischen.“ Hans-Peter hutter

„Die hohe Impfquote bringt natürlich Vorteile – sie ist aber nicht das Ende der Fahnenstange“, gibt Umweltmediziner Hans-Peter Hutter im BVZ-Gespräch zu bedenken. Und: „Das Burgenland ist ja nicht isoliert vom Rest Österreichs.“ Zudem zeigen die Inzidenzen in den einzelnen Altersgruppen (siehe Grafik) wie anderswo auch einen deutlichen Anstieg.

Die Solidarität der Bundesländer und einheitliche Maßnahmen hat Landeshauptmann Hans Peter Doskozil bereits im Vorfeld des Lockdowns beschworen. Ein eigener Weg nach dem angekündigten Ende am 12. Dezember ist aber durchaus möglich.

„Nicht stigmatisieren, nicht polarisieren …“

„Ob das in anderen Bundesländern auch so sein wird, kann man nicht zu 100 Prozent sagen“, meinte Doskozil zuletzt. Zusatz: „Das Virus macht vor den Landesgrenzen nicht Halt.“ Mit Kritik an der Corona-Politik des Bundes hielt sich der Landeschef dieses Mal zurück. Betont wird stattdessen die „nicht stigmatisierende, nicht polarisierende Kommunikation“, mit der man im Land selbst zum Impfziel – und darüber hinaus – gelange: Und man geht davon aus, die vierte Welle damit brechen zu können.

Was die Erst-Stiche (auch angesichts der für Februar angekündigten Impfpflicht) angeht, setzt das Burgenland nicht auf eine Terminvergabe wie Wien, sondern bleibt beim „positiven“ Weg: „Wir erreichen damit auch viele bislang Ungeimpfte.“ Über Parteigrenzen hinweg ist und bleibt die Erhöhung der Impfquote das erklärte Ziel.

Bundesweit sei es „trotz monatelanger Überzeugungsarbeit“ nicht gelungen, genug Menschen dazu zu bewegen, erklärte ÖVP-Obmann Christian Sagartz den Hauptgrund für den Lockdown. Trotz hoher Quote habe die vierte Welle auch das Burgenland „mit voller Gewalt erwischt“ warnte zugleich Grünen-Chefin Regina Petrik.

440_0900_420667_bvz47grafik_impf_inzidenz_01.jpg
Steiler Anstieg. Bei den Neuansteckungen lässt sich eine interessante Delle am langen Martini- Wochenende beobachten, gefolgt vom einem starken Anstieg, vor allem bei den altersbedingt wenig bis nicht geimpften Bevölkerungsgruppen. In den Altersgruppen mit hoher Impfquote zeigt sich der Effekt kaum. In der Gruppe über 65 Jahren mit einer Impfquote von fast 95 Prozent zeigt sich trotz der bundesweiten Inzidenzen-Explosion kein merkenswerter Anstieg.
NOEN

Beim gemeinsamen (Impf-) Ziel widerspricht FPÖ-Obmann Alexander Petschnig: „Alle Versprechen wurden gebrochen“, sieht er mit Blick auf die anfangs erwarteten Lockerungen im Land eine „Chaos- und Showpolitik“. Kritik gefallen lassen muss sich die FPÖ bundesweit allerdings wegen ihrer Protest-Aufrufe und der befeuerten Impfskepsis. Die Positionen haben sich längst einzementiert.

Stichwort gemeinsame Ziele: Hier sitzen letztendlich wirklich alle im selben Boot. Daran erinnert Experte Hans-Peter Hutter: „Alle wollen ihr altes Leben zurück. Das gibt es zwar nicht – aber es wird eine neue Normalität geben, in der man nicht immer daran denken muss, sich nicht gegenseitig anzustecken. Wir wissen, wie wir rauskommen, aber da ist eben eine Impfung dazwischen. Deshalb muss in diese hochstilisierte Diskussion langsam wieder Vernunft einkehren.“