Kinder-Impfung: Risiko oder Schutz?. Kritische Stimmen zur Impfung für Zwölf- bis 15-Jährige mehren sich. 1.861 Anmeldungen im Land.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 24. Juni 2021 (05:58)
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Shutterstock/Prostock-Studio, Shutterstock/Prostock-Studio

Noch werden im Burgenland keine Kinder und Jugendlichen mit dem Pfizer-Vakzin geimpft, laut Auskunft der Impfkoordination des Landes haben sich von 10.868 Burschen und Mädchen in dieser Altersgruppe laut Letztstand aber bereits 1.861 im System vormerken lassen.

Diskutiert wird die Frage auf mehreren Ebenen: Die WHO und die deutsche Impfkommission sprechen sich aufgrund zu kurzer Studien derzeit dagegen aus; das Nationale Impfgremium in Österreich hingegen empfiehlt die Impfung für alle ab zwölf Jahren (siehe unten).

In den Reihen der Mediziner geht die Meinung ebenso auseinander. Hört man sich im Burgenland um, gibt es viele Befürworter, bundesweit werden aber auch die kritischen Stimmen lauter. Die Grazer Allgemeinmedizinerin Maria Hubmer-Mogg hat daher die Initiative „Wir zeigen unser Gesicht“ ins Leben gerufen: Mit bislang rund 300 Ärztinnen und Ärzten, Juristinnen und Juristen setzt man sich für ein Umdenken ein.

„Kinder sind mit dem angeborenen Immunsystem gut gerüstet und erleiden äußerst selten schwere Verläufe. Man kann noch nicht beurteilen, wie die mRNA-Impfungen in das kindliche Immunsystem eingreifen, da es keinerlei

Langzeitdaten gibt“, so Hubmer-Mogg. Die Medizinerin, deren Großeltern aus dem Bezirk Oberwart stammen, weiß von einer angespannten Debatte in der Ärzteschaft zu berichten, wobei man sich nicht gegen die Covid-Impfung per se ausspreche. Im Burgenland gibt es bislang jedenfalls kaum offizielle Unterstützer der Initiative.

„Kleine Studie“ spaltet Befürworter und Gegner

Während die Kritiker mit der Studie argumentieren, die in den USA nur die Daten von 2.260 geimpften Kindern umfasst, verweist Impfreferent Al-brecht Prieler auf ein wesentlich größeres Sample bei 16- bis 18-Jährigen, die „ähnliche physiologische Voraussetzungen“ hätten. Sowohl das Nationale Impfgremium als auch die Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde sei daher für die Impfung. Die Problematik für Kinder sieht Prieler andernorts: „Es gibt noch immer Impfverweigerer von rund 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung – darunter auch viele im Lehrkörper.“

„Da es in dieser Altersgruppe auch heftige Erkrankungen und Schulcluster gab, wären Impfungen höchst ratsam“, meint Allgemeinmediziner Heinz Gyaky aus Bad Tatzmannsdorf. Die Forchtensteiner Ärztin Marlene Angerer schließt hier an: „Wenn wir Covid in den Griff bekommen wollen, sollten wir auch Zwölf- bis 15-Jährige impfen.“

Aus Sicht des Oberpullendorfer Kinderarztes Hermann Graf wäre zu einem späteren Zeitpunkt die Impfung jüngerer Kinder ebenso sinnvoll. Dies ist aktuell aber kein Thema, wie die Ferien der Debatte generell ein wenig Zeit verschaffen. Der Blick geht aber bereits in Richtung Schulstart im Herbst.