Minister-Hilfe für die Grünen. Die wahlkämpfenden Grünen im Burgenland haben am Donnerstag prominente Unterstützung aus Wien bekommen. Sozialminister Rudolf Anschober warb bei einer Pressekonferenz mit den Grünen-Kandidaten in Eisenstadt für das "Community Health Nurses" (CHN)-Konzept. Dabei handle es ich um eine "Beratungsdrehscheibe" in den Gemeinden, die Landärzte entlasten und Routinekontrollen vornehmen könne, erklärte er vor Pressevertretern.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 23. Januar 2020 (12:20)
v.l.: Landessprecherin und Spitzenkandidatin Regina Petrik, Sozialminister Rudolf Anschober und Listendritte Manu Juric.
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"CHNs gibt es bereits in Deutschland, Finnland und Dänemark", berichtete der Sozialminister. Bis 2025 sollen die CHNs österreichweit in 500 Gemeinden als Pilotmodell getestet und anschließend evaluiert werden. "Ich denke, dass das Burgenland eine gute Testregion wäre", so Anschober. "Wir wünschen uns, dass 15 bis 20 der österreichweit 500 Testgemeinden im Burgenland sind", fügte Grünen-Kandidatin Manu Juric hinzu.

"Im Südburgenland droht Ärztemangel", warnte die Listendritte. Darum brauche man " kleine dezentrale Einheiten", die besonders pflegende Angehörige entlasten sollen. Die CHNs sollen einerseits mit Vorträgen Wissen vermitteln, andererseits Nachbarschaftshilfe leisten.

Juric erklärte, dass die CHNs auch über die richtigen Anlaufstellen aufklären sollen, um so überflüssige Wege für Patienten zu vermeiden. Somit sei das Modell auch kostengünstiger. Bei der 24-Stunden Pflege sollen die CHNs außerdem Kontrollfunktionen übernehmen. Laut Anschober ist die Bereitschaft, dieses Konzept zu übernehmen, auf Gemeindeebene groß.

"Die CHNs sind als Vollzeittätigkeit konzipiert", erklärte Anschober. Derzeit gibt es laut Juric in Österreich ab Oktober nur eine Ausbildungsstelle in Oberösterreich, die Ausbildung koste rund 4.400 Euro. Besonders im Hinblick auf das Burgenland wolle man hier jedoch noch "Förderungsmöglichkeiten erarbeiten".

"Am besten können wir dieses Konzept im Burgenland mit einer rot-grünen Koalition umsetzen", sagte die grüne Spitzenkandidatin Regina Petrik. So sei eine reibungslose Kooperation mit der Bundesregierung möglich. Anschober betonte, dass es den Grünen hauptsächlich um Inhalte gehe: " Wir wollen Werte, Inhalte und Haltungen durchsetzen."

Anschober konkretisiert Pflegereform-Pläne

Rudolf Anschober hat in Eisenstadt auch sein Drei-Punkte-Konzept für eine Pflegereform präzisiert. "Wir wollen ein umfassendes Modell, in dem wir viele Betroffene und Experten mit einbeziehen", sagte er vor Pressevertretern in Eisenstadt.

Die Pflege ist für Anschober die "ganz große Herausforderung" im Sozialbereich. "Bis 2070 sind 42 Prozent der Bevölkerung über 65", verwies der Sozialminister auf eine Statistik Austria-Studie.

Der erste Punkt des Plans sieht vor, in ganz Österreich die Situation der Mitarbeiter kennenzulernen, die bisher " zu wenig einbezogen wurden". "Wir müssen die handelnden Personen sehr ernst nehmen", sagte Anschober. "Wir können viel voneinander lernen." Nach Ostern soll eine "Taskforce" bis Herbst ein inhaltliches Programm erstellen. Abschließend sei eine "Zielsteuerungsgruppe" geplant, die die neuen Ideen umsetzen und finanziell effizient gestalten soll.

"Wir wollen uns tabulos alles anschauen und auch best practice-Modelle in Österreich finden, die wir anderswo ebenfalls umsetzen können", kündigte der Sozialminister an. Wegen der unterschiedlichen Rahmenbedingungen in den Gemeinden baue dies auf kommunaler Ebene auf einer "konsensualen Vorgehensweise". "Auf Landes- und Gemeindeebene gibt es bereits großes Interesse an der Zusammenarbeit". Dies führe auch zu effizienteren, gebündelten Finanzflüssen.

Ein wichtiger Aspekt sei die Aufstockung des Pflegepersonals. Anschober verwies auf eine Ausbildung mit Maturaabschluss, die ab September für Personen ab 15 Jahren angeboten werde. Zudem sei es wichtig, pflegende Angehörige zu unterstützen.

Derzeit gehört der Pflegeberuf für den Sozialminister zu "einer der schwierigsten Berufe der Welt", der attraktiver gemacht werden müsse: "Man muss die Wertschätzung und die Arbeitsverhältnisse verbessern", forderte Anschober. Wie höhere Löhne für Pflegepersonal ermöglicht werden könnten, sei noch zu eruieren.