Esterhazys wollen Schloss und Burgen zurück. Nach dem „Entführungsfall“ kocht alter Zwist hoch. Wie die BVZ exklusiv erfuhr, soll Esterházy einen ersten Teilerfolg gegen Ottrubay erzielt haben.

Von Wolfgang Millendorfer. Erstellt am 30. Januar 2019 (06:41)
APA/Robert Jäger
Blick auf das Schloss Ersterhazy am Mittwoch, 23. Jänner 2019, in Eisenstadt.

Burg Forchtenstein: Von Ottrubay zu Esterházy?

Die vermeintliche „Entführung“ der 88-jährigen Magdolna Ottrubay beschäftigt nicht nur die Behörden. Nachdem sich Paul-Anton Esterházy als Sprecher der Adelsfamilie zu Wort gemeldet hat, kocht auch der alte Zwist mit Generaldirektor Stefan Ottrubay wieder hoch. Wie die BVZ exklusiv erfuhr, gibt es nun eine überraschende Wendung. In einem laufenden Verfahren, das die Besitzverhältnisse klären soll, könnte die Familie Esterházy einen Teilerfolg im Fall der Burg Forchtenstein erzielt haben. Von der BVZ danach gefragt, meinte Paul-Anton Esterházy: „Wir haben über dieses noch anhängige Verfahren nie öffentlich gesprochen. Wir respektieren die Unabhängigkeit der Justiz und dass sie in Ruhe arbeiten will.“

„Entscheiden die Gerichte in meinem Sinne, wäre die Position der Esterházys im Burgenland wieder hergestellt und die Familie könnte wieder ihre Verantwortung übernehmen und alle Betriebe auch wieder selbst direkt führen.“ Familiensprecher Paul-Anton Esterházy

Gemeint sind damit auch weitere große Kulturdenkmäler wie Schloss Esterházy in Eisenstadt oder Schloss Lackenbach. Generell will Paul-Anton Esterházy das „Erbe der Vorväter“ bewahren; im Kern geht es um den Einfluss auf die Esterházy-Stiftungen und ein geschätztes Vermögen von 800 Millionen Euro (exklusive Kulturdenkmälern), auf das die Familie keinen Zugriff hat.

 Ottrubay: Vermögen soll „geschützt“ werden

 Die Aufregung um den „Entführungsfall“ in der Vorwoche – Magdolna Ottrubay soll von ihrer Tochter „abgeholt“ worden sein, eine Mitarbeiterin Stefan Ottrubays verständigte die Polizei – erinnert an den einstigen Konflikt um den Aufenthaltsort von Fürstin Melinda Esterházy: Wie Paul-Anton Esterházy immer wieder betonte, sollen er und die Familie von der Fürstin „ferngehalten“ worden sein.

BVZ Archiv
Paul-Anton Esterházy. Der Familiensprecher geht in die Offensive.

Stefan Ottrubay deutete nun in einem TV-Interview in „Thema“ an, dass die Fürstin den Kontakt von sich aus verweigert hätte. Auch sollen die Stiftungen gegründet worden sein, um das Vermögen quasi vor dem Zugriff der Familie zu schützen.

Zur „Entführung“ seiner Mutter meinte Ottrubay, dass ein Rückflugticket in die Schweiz bereits gekauft war; nach der „überfallsartigen Abholung“ habe man keine andere Möglichkeit gehabt, als die Polizei einzuschalten, auch wenn es ihm leid tue, dass für den Einsatz Steuergelder aufgewendet werden mussten.

Weiters wird auf die laufenden Ermittlungen verwiesen. Diese sollen auch Aufschluss darüber geben, ob die Kosten für die Alarmfahndung allein von der Öffentlichkeit zu tragen sind oder ob sie auch Betroffenen „verrechnet“ werden können.