Analyse der Burgenland-Ergebnisse. Der Bundes-Trend bei der Europawahl setzte sich auch im Burgenland fort. Was bedeutet der Ausgang für die kommenden Wahlen, insbesondere für die Landtagswahl?

Von Markus Stefanitsch und Wolfgang Millendorfer. Erstellt am 27. Mai 2019 (09:51)
wahl.bgld.gv.at; Illustration: Jilko, Pavlo S/Shutterstock.com; NÖN-Grak: Bischof
Vorläufiges Endergebnis im Burgenland

Die ÖVP überholte bei der EU-Wahl die SPÖ im Land und legte nach vorläufigem Ergebnis (ohne Briefwahl-Stimmen) um 4,8 Prozent gegenüber der EU-Wahl 2014 zu. Die FPÖ konnte trotz „Ibiza-Affäre“ dazugewinnen, die SPÖ musste Verluste hinnehmen. Bei Grünen und NEOS hielt der Bundestrend auch im Burgenland an. Die Analyse der Parteien im Detail.

ÖVP
ÖVP: Landes-Spitzenkandidat Christian Sagartz beim Wahlkampf-Finale in St. Margarethen.

ÖVP: Landes-Spitzenkandidat Christian Sagartz hat einen sehr engagierten und gut organisierten Wahlkampf betrieben. Vor allem zwei Aspekte haben Sagartz zusätzlich Aufschwung gegeben – zum einen der starke Rückenwind von Kanzler Sebastian Kurz angesichts der „Ibiza-Affäre“. Zum anderen konnte der burgenländische ÖVP-Spitzenkandidat glaubhaft vermitteln, dass er der einzige ist, der Chancen auf ein EU-Mandat hat. Das endgültige Ergebnis der Vorzugsstimmen wird Montagnachmittag bekannt gegeben.

SPÖ
SPÖ: Landes-Spitzenkandidat Christian Dax beim Wahlkampf am „Europatisch“ in Eisenstadt.

SPÖ: Bei der SPÖ schlug sozusagen der „Schieder-Effekt“ voll durch. Auch Landes-Spitzenkandidat Christian Dax hat – ähnlich wie sein ÖVP-Gegenüber Sagartz – einen engagierten und gut „durchgestylten“ Wahlkampf geführt. Allerdings war schon im Vorfeld zu bemerken, dass die SPÖ keine Chance auf den ersten Platz hat. Dies zeigte sich auch in der „noblen Zurückhaltung“ von Parteichef und Landeshauptmann Hans Peter Doskozil im Wahlkampf. Was Sagartz an Rückenwind aus Wien bekommen hat, das hat SPÖ-Kandidat Dax schon als starken Gegenwind zu spüren bekommen.

Millendorfer
FPÖ: Blaues Wahlkampf-Finale mit Spitzenkandidat Josef Graf (r.) und FPÖ-Klubchef Géza Molnár.

FPÖ: Überraschend ist das Plus der Freiheitlichen im Burgenland; ähnlich wie im Bund, gab es keinen Totalabsturz. Scheinbar wird die FPÖ in der Bevölkerung im Burgenland tatsächlich anders wahrgenommen als die FPÖ im Bund. Noch dazu gab es im Vorfeld der Wahl nach dem Ibiza-Video auch einen Misstrauensantrag gegen Parteiobmann und Landesvize Hans Tschürtz. Insgesamt dürfte dies zusätzlich eine „Jetzt-erst-recht“-Mentalität innerhalb der FPÖ-Wählerschaft hervorgerufen haben.

Millendorfer
Grüne: Das Kandidaten-Trio Mirjam Kayer, Irmi Salzer und Roland Lehner (v.l.).

Grüne: Wie auch auf Bundesebene, hat sich gezeigt, dass man in den kommenden Wahlgängen stark mit den Grünen rechnen muss. Auch im Burgenland bestätigte sich dieser Trend trotz leichtem Minus. Grünen-Landessprecherin Regina Petrik sieht das Ergebnis deshalb auch als Aufbruchsstimmung für die kommende Landtagswahl.

Millendorfer
NEOS: Die beiden Burgenland-Kandidaten Karlheinz Dornach (l.) und Eduard Posch.

NEOS: Das durchaus beachtliche Ergebnis bei der EU-Wahl kann man als erstes Aufbäumen der NEOS im Hinblick auf die Landtagswahl 2020 rechnen. Bei einer Landtagswahl sind jedoch noch ganz andere Parameter entscheidend. Deshalb bedarf es bis dahin noch einer enormen Steigerung, damit die NEOS eine Chance haben, auch im Land dabei zu sein.

Die KPÖ (mit 0,4 Prozent der Stimmen) und die „Liste Jetzt“ (0,7 Prozent) spielten im Burgenland, wie erwartet, kaum eine Rolle.

EU-Wahl Ergebnis Burgenland.pdf (pdf)