Darabos: „Kam wie die Jungfrau zum Kind“. Ex-Minister Darabos (SP) über seine Rolle im Eurofighter-„Deal“.

Von Markus Stefanitsch. Erstellt am 01. März 2017 (06:59)
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Ex-Minister Norbert Dara-bos: „Aus damaliger Sicht alles richtig gemacht.“
BVZ

BVZ: Mit der neuen Eurofighter-Debatte sind Sie zum Handkuss gekommen und stehen medial wieder im Vordergrund.

Norbert Darabos: Mir scheint es eher, als käme ich wie die Jungfrau zum Kind. Ich finde es eigenartig, dass die ÖVP und auch die Grünen versuchen, den Fokus auf die Vergleichsverhandlungen 2007 zu legen. Aus meiner Sicht geht es um 2002 und 2003, als der Eurofighter bestellt wurde. Damalige Handlungsgrundlage für mich war ein Gutachten von Professor Koziol, das empfohlen hat, einen Vergleich zu schließen. Jetzt, zehn Jahre später, habe ich das Gefühl, dass auch ich getäuscht wurde.

„Ohne mich würde es weder die Task Force noch den Bericht geben“

Auch Peter Pilz hat gesagt, dass Norbert Darabos nicht korrupt sei, sich aber über den Tisch ziehen hat lassen. Ärgert Sie das?

Dass Peter Pilz gesagt hat, ich sei nicht korrupt – das freut mich, das ist auch so. Auf der anderen Seite habe ich mich nicht über den Tisch ziehen lassen, sondern auf Grundlage der damaligen Fakten – insbesondere des Rechtsgutachtens – gehandelt. Dieses Gutachten habe ich im Wissen der Komplexität der Sache beauftragt und mich an die darin enthaltene Empfehlung gehalten Es war ein wichtiger und richtiger Schritt von mir, damals diese Task Force einzurichten. Sie hat die Sache eingehend analysiert und ihren Bericht vorgelegt. Ohne mich würde es weder die Task Force noch den Bericht geben, der nun diskutiert wird. Ich war immer gegen den Eurofighter.

Wie sehen Sie die frühere Kritik, dass Ihr Vergleich auch weniger Gegengeschäfte gebracht hat?

Da fühle ich mich bestätigt, weil ich gehört habe, dass es die Gegengeschäfte nicht in dem Ausmaß geben hätte können oder dass einige ohnehin zustande gekommen wären.

In Wien kursiert das Gerücht: Der neue Eurofighter-Skandal soll Schwarz-Blau schaden und Darabos sei das „Bauernopfer“ …

Ich sehe mich nicht als Opfer. Ich glaube, ich habe viel für die SPÖ geleistet. Wer hätte gedacht, dass wir nach Schwarz- Blau mit dem Bawag-Skandal die Wahl gewinnen. Ich habe den damaligen Wahlkampf geleitet. Dank ist in der Politik keine Kategorie, mit dem lebe ich.

Bereuen Sie es, damals den Posten als Verteidigungsminister angenommen zu haben?

Ich bereue es nicht, weil ich mich dafür entschieden und es als Chance für das Ressort gesehen habe. Ich habe dann allerdings bemerkt, dass der Widerstand gegen mich als Zivildiener groß ist.

Interview: Markus Stefanitsch