Pehm: „Studieren braucht auch den Wohlfühl-Faktor“. Georg Pehm, Geschäftsführer der Fachhochschule Burgenland, über Corona, Ausbau-Pläne und warum der Hörsaal weiterhin Zukunft hat.

Von Markus Stefanitsch. Erstellt am 18. Februar 2021 (05:34)
„Nachhaltigkeit ist auch für uns ein ganz zentrales Thema“, sagt Pehm.
zVg.

BVZ: Warum baut die FH ihre Standorte in Zeiten von Online-Vorlesungen aus? Ist das Studium der Zukunft nicht eher online?

Georg Pehm: Wir haben als Fachhochschule schon vor Corona rund 40 Prozent der Lehrveranstaltungen online abgehalten. Dieser Vorsprung hat uns in der Krise sehr geholfen, weil wir in sehr kurzer Zeit mehr oder weniger alle Lehrveranstaltungen ins Internet verlagern konnten. Für Präsenz-Veranstaltungen haben wir ein umfassendes Sicherheitskonzept. Diese Form der Hochschule werden wir nun bis Ostern weiterführen. Das ist aber eine Ausnahmesituation. Wir wollen nach Corona wieder mehr Präsenz ermöglichen, weil ein Studium auch ganz wesentlich vom Diskurs lebt.

Der menschliche Aspekt ist der FH Burgenland also wichtig.

Pehm: Absolut, denn studieren ist nicht nur der Inhalt eines Buches – es bedeutet auch, sich mit anderen Menschen auszutauschen. Wir wollen beide Bereiche bestmöglich anbieten, sowohl online als auch im Hörsaal, den es auch in Zukunft brauchen wird. Weil die Fachhochschule Burgenland wächst, brauchen wir auch die zusätzlichen Räumlichkeiten.

Bei den Studierenden kann nächstes Jahr die 6.000er-Grenze erreicht werden. Gibt es ein Limit?

Pehm: Wichtig ist, dass wir nicht auf einer Rekordjagd sind. Uns freut es, dass das, was wir anbieten, als attraktiv gesehen wird. Der zweite Gradmesser ist, dass wir abbilden wollen, was Gesellschaft und Wirtschaft an Kompetenzen einfordern. Drittens wollen wir so wachsen, dass wir immer die Qualität und die Aktualität eines Studiums sicherstellen können.

Es ist ja nicht immer leicht, räumlich mit dem Wachstum mitzuhalten. Was können Sie zu den drei großen Projekten, die auf Schiene sind, verraten?

Pehm: Ein Meilenstein ist der Ausbau des Standortes Pinkafeld. Die Forschungsmöglichkeiten und die Schwerpunkte Technik und Gesundheit treffen wesentliche Zukunftstrends. Dass wir da stark aufgestellt sind und weiter aufbauen wollen, noch dazu im ländlichen Raum – diese strategische Ausrichtung ist auch darauf zurückzuführen, dass Landeshauptmann Doskozil enorme Unterstützung leistet. Der Campus Pinkafeld wird mit Investitionen von 30 Millionen Euro außerdem zum ökologischen Vorzeige-Campus. Die Gebäude sollen, angefangen von Photovoltaik bis zu Licht und Atmosphäre, am letzten Stand der Erkenntnisse einen „Wohlfühl-Campus“ bieten. Zudem entsteht mit dem „Lowergetikum“ ein neues Forschungszentrum.

Welche Neuerungen sind an der FH in Eisenstadt in Planung?

Pehm: Hier bauen wir ein Zen-trum für digitale Wissenschaften. Beide Forschungszentren sollen bis Sommer nächsten Jahres fertig sein. Der gesamte Campus Pinkafeld soll bis Sommer 2023 fertig gestellt werden.

Visionen für die Fachhochschule. Der Standort Pinkafeld wird zum „ökologischen Vorzeige-Campus“ ausgebaut.
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War das Thema Gesundheit, das noch mehr Gewicht bekommen hat, rückblickend ein Volltreffer?

Pehm: Es war vor allem eine weitblickende, strategische Erkenntnis. Auch beim Klimawandel und in der Nachhaltigkeit haben wir uns schon lange positioniert. Die Entwicklungen bestätigen diese Ausrichtungen. Die Corona-Krise macht eine breite Öffentlichkeit jetzt noch mehr aufmerksam darauf, dass eine nachhaltige Entwicklung des Gesundheitsbereiches eine wichtige Rolle spielt.

Die Studienplätze sind ja nicht zuletzt eine Finanzierungs-Frage …

Pehm: Toll ist, dass alle Studiengänge und Berufsfelder enorm gefragt sind. In den nächsten Jahren wird es davon abhängen, wie die Bundespolitik den Fachhochschulsektor insgesamt ausbaut. Aber wir sehen, dass wir jetzt jedes Jahr einen Studiengang finanziert bekommen haben und uns durchsetzen konnten. Im letzten Jahr haben alle Fachhochschulen Anträge für 1.400 Studienplätze eingebracht und 330 wurden letztlich vergeben. Wir haben es also geschafft, so qualitätsvolle Studiengänge einzubringen, dass sie auch die Mittel erhalten haben. Wir werden keinen Studiengang schließen, im Gegenteil.

Welche Empfehlungen können Sie abgeben? Wie schafft man es am besten in einen Studiengang?

Pehm: Wichtig ist es, sich gut vorzubereiten und sich zu überlegen, welche Erwartungen man an ein Studium hat. Was wir bieten können, ist, jeden und jede so persönlich wie nur möglich wahrzunehmen und zu unterstützen. Insbesondere wenn man berufstätig ist, ist ein Studium eine enorme Herausforderung. Eine Besonderheit der FH Burgenland ist, dass rund 70 Prozent unserer Studierenden auch arbeiten. Wir haben es geschafft, ein Studium so zu organisieren, dass Job, Studium und auch das Familienleben möglich sind. Die FH Burgenland ist außerdem auch eine der wenigen Fachhochschulen, die keine Studiengebühren einheben.

Fachhochschule Burgenland/Grafik: Gastegger

Die FH Burgenland gibt sich zugleich auch sehr weltoffen …

Pehm: Wir sind mit dem Burgenland ganz stark verbunden – und gleichzeitig haben wir in diesem Jahr Studierende aus 73 verschiedenen Ländern. Diese Kombination aus starker Verbundenheit, dem Blick in die Welt und dass viele in diese Region schauen, das ist eine schöne Entwicklung. Die Studierenden bringen den Regionen auch Wertschöpfung. Hinzu kommen insgesamt 700 Beschäftigte an unseren Standorten. Daran sieht man, dass die FH auch als Arbeitgeber ein Faktor ist.