Grünes Licht: Was kann die Corona-Ampel?. Corona-Ampel bestimmt das öffentliche Leben. Wie Experten die Maßnahmen beurteilen.

Von Wolfgang Millendorfer und Alexandra Gollubics-Prath. Erstellt am 10. September 2020 (06:12)

Weil es schon zum Start jede Menge Diskussionen gab, war die Bundesregierung um Ruhe bemüht: Die Corona-Ampel soll als Richtschnur in Zeiten der Pandemie gelten und gegebenenfalls immer wieder – auch im Hinblick auf regionale Problemstellungen – angepasst werden. Was kann sie also, die Ampel, die das öffentliche Leben in den kommenden Monaten begleiten und dessen Spielregeln festlegen wird?

Eines vorweg: Den generellen Lockdown sieht die Corona-Ampel nicht vor; von einem solchen gehen auch Expertenmeinungen derzeit nicht mehr aus. Je nach Ampelfarbe steigt aber die Zahl der Sicherheitsmaßnahmen und Einschränkungen (siehe Grafik): angefangen von der Sperrstunde in Lokalen über Homeoffice und Distance-Learning bis zum verstärkten Tragen von Mund-Nasen-Schutz.

Maske und Abstand als ständige Begleiter

Letzteres ist auch laut Ärztekammer-Präsident Michael Lang das Um und Auf, nicht nur in der kalten Jahreszeit: „An Maske, Abstand, Hygiene und dem Lüften in geschlossenen Räumen führt kein Weg vorbei. Wir müssen uns daran gewöhnen und das ist aus meiner Sicht zumutbar, denn diese Maßnahmen helfen.“ Und das, so Lang, nicht nur im Hinblick auf Corona, sondern gegen Virus-Erkrankungen generell. Dass Covid-19 nicht als „Kinderkrankheit“ eingestuft wird, lässt Expertinnen und Experten zugleich einigermaßen sicher auf Schule und Kinderbetreuung blicken.

„So normal wie möglich“ soll alles ablaufen, betonten Landesrätin Daniela Winkler und Bildungsdirektor Heinz Josef Zitz erneut zum Schulstart; im BVZ-Interview gab sich Bildungsminister Heinz Faßmann ebenso optimistisch.

Es gibt aber auch noch Verunsicherung, berichtet Christina Riedl als Obfrau der Elternvereine öffentlicher Schulen im Land: Während man sich erleichtert zeigt, dass eine Betreuung der Kinder immer gewährleistet sein soll, hätte man sich „mehr Infos und diese vor allem früher gewünscht“, so Riedl gegenüber der BVZ.

Warten auf die Farbe: „Das wird spannend“

Und die Elternvereins-Obfrau spricht auch aus, was viele denken: „Wie es sein wird, jede Woche auf die Schaltung der Ampel zu warten, das wird spannend.“ Denn ab sofort wird jeden Freitag die Ampelschaltung bekannt gegeben, die für die kommende Woche gilt (siehe Kasten unten).

Davon hängt letztendlich auch die Wirtschaft ab: Im Handel sind bei roter Ampel vorübergehende Geschäftsschließungen nicht zu vermeiden, dasselbe gilt für die Gastronomie. Hier würden die einzelnen Maßnahmen für die Betriebe „relativ hohe Aufwände in der Organisation bringen“, wie Spartenobmann Helmut Tury sagt. Zugleich ist Kommunikation mit den Gästen und Bewusstseinsbildung gefragt. Diskussionen über die Ampelfarbe sind wohl auch in den Bezirken zu erwarten, werden diese doch im Gesamten „bewertet“.

Als „grundsätzlich nachvollziehbar“ sieht Nicole Schlaffer vom Koordinationsstab des Landes die Ampelphasen und dazugehörigen Schutzmaßnahmen. „Allerdings bleibt der übermittelte ,Ampel-Leitfaden‘ in einigen Punkten noch vage. Wichtige rechtliche Grundlagen sind teils noch nicht beschlossen und teils noch nicht bekannt“, so Schlaffer. Insgesamt sei das Burgenland auf die Herausforderungen von Herbst und Winter aber „sehr gut vorbereitet“, wird betont.