Öffentlicher Dienst: Mehr Geld, aber nicht für alle

Erstellt am 19. Jänner 2023 | 05:43
Lesezeit: 3 Min
300 Euro brutto mehr für Landesbedienstete – davon profitieren immerhin 80 Prozent. Die Gewerkschaft unterstreicht aber: Nächstes Jahr wird neu verhandelt.
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Wieder geht das Burgenland einen anderen Weg als der Bund, und das ganz bewusst, wie betont wird: Wie schon zum Jahreswechsel angekündigt, übernimmt das Land für den Öffentlichen Dienst nicht den Bundesabschluss, sondern hat mit der Gewerkschaft ein eigenes Modell verhandelt.

300 Euro brutto mehr, und das für alle Gehaltsstufen, lautet heuer die Devise im Land. Bundesweit steigen die Gehälter um 7,15 Prozent für hohe und 9,41 Prozent für niedrigere Einkommen. Das Landesmodell bringe – natürlich abhängig von der Höhe des Gehalts – bis zu 15 Prozent, unterstreicht Landeshauptmann Hans Peter Doskozil.

Als Referenzwert wird immer gerne der 1.700-Euro-Mindestlohn herangezogen: Er ist mit den jüngsten Anpassungen auf über 1.800 Euro netto gestiegen und landet mit dem neuen Burgenland-Modell bei 2.000 Euro. Insgesamt betrifft die Regelung mehr als 8.000 Beschäftigte, die Landes- und Gemeindebediensteten ebenso wie jene im öffentlichen Baudienst und in den KRAGES-Spitälern. Sowohl Land als auch Gewerkschaft rechnen nun vor, dass 80 Prozent davon direkt profitieren.

„Sozialer Weg“ des Landes verlangt auch Solidarität

Solidarisch müssen sich aber die Bezieher höherer Gehälter zeigen. Nach dem Bundesabschluss hätten sie brutto bis zu 700 Euro mehr in der Tasche. Jene 20 Prozent, die somit zwar keine Nulllohnrunde, aber einen geringeren Anstieg zu akzeptieren haben, müssen sich bis zu den nächsten Verhandlungen gedulden. Die Landes-Regelung gilt nur dieses Jahr. Die Lohnschere wäre andernfalls aus Sicht der höheren Einkommen ungerecht.

„Natürlich ist immer Luft nach oben, aber gerade in der aktuellen Situation wurde hier ein sehr guter Abschluss erzielt“, fasst es Manuel Sulyok, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst, zusammen. Die „außergewöhnliche Lage“ der Teuerungs-Welle sieht auch Gerhard Horwath seitens der Gewerkschaft younion als Grundlage der Einigung. 95 Prozent der Gemeindebediensteten würden heuer profitieren, im nächsten Jahr hätte man lieber 100 Prozent.

Wie individuell und komplex diese Verhandlungen sind – und wie vielschichtig die Diskussion um den Mindestlohn im Speziellen ist –, das macht Sulyok an einem Beispiel fest: „Es gibt neben der oft genannten Reinigungskraft und dem Verwaltungsdirektor viele verschiedene Berufsgruppen und darüber hinaus mehr als rund 30 Gehaltsbänder, die es zu berücksichtigen gilt!“