Aufstand im „Jagdland“. Land will das Aussetzen von Tieren zur Jagd strenger regeln. Auch innerhalb der Jägerschaft sorgt das Thema für Konflikte.

Von Wolfgang Millendorfer und Carina Fenz. Erstellt am 09. Oktober 2019 (04:43)
Shutterstock.com, franz12
Symbolbild

An die Aufregung um das Jagdgesetz werden sich nicht nur Jäger erinnern: 2017 sorgten die Neuerungen für heftigen politischen Schlagabtausch. Jetzt wird vom Land eine weitere Novelle in Aussicht gestellt, die auch die Jägerschaft entzweit. Auslöser waren unter anderem die Tierschutz-Proteste gegen die Jagd ausgewilderter Enten im Bezirk Neusiedl am See. Eine „umstrittene Praktik“, die laut SPÖ-Landesrätin Astrid Eisenkopf aus ethischen Gründen gesetzlich unterbunden werden soll.

Initiative gegen Verbot erntet interne Kritik

Mit dem Neusiedler Bezirks-Jägermeister Hannes Mosonyi an der Spitze hat sich nun eine Initiative formiert, die gegen ein Verbot auftritt: „Augenscheinlich macht man dies, um den Forderungen einiger radikaler Jagdgegner entgegenzukommen“, befürchten Mosonyi und Co. ein generelles Verbot des sogenannten „Auswilderns“.

Privat
Bezirksjägermeister Hannes Mosonyi. Setzt sich mit einer Initiative gegen ein Verbot des „Auswilderns“ ein.

So sorge das Aussetzen von Niederwild – dazu zählen neben Vogelarten etwa auch Hasen – zugleich für den Schutz des Tierbestandes. Seitens der Initiative lässt man den Vorwurf nicht gelten, es gehe um die Interessen großer Jagdpächter oder zahlungskräftiger Jäger.

Gegen die Initiative regt sich aber auch Unmut. Als langjähriger Jäger erinnert der Eisenstädter Hautarzt Herbert Weltler in einem offenen Brief an die Verpflichtung der Jägerschaft zu Naturschutz und Biodiversität. Seiner Meinung nach sei das Problem vielschichtiger und werde nicht mit dem Aussetzen von „gezüchteten und im selben Jahr abgeschossenen Tieren“ gelöst. Er sieht unter anderem den Umstieg auf biologische Landwirtschaft mit genügend Rückzugszonen für wildlebende Tiere als Maßnahme gegen den Rückgang bestimmter Arten. Weiters meint Weltler, das Aufziehen von Enten „als Zielobjekte von Schießbelustigungen“ habe „nichts mit der bodenständigen Jagd zu tun“ (den Leserbrief von Herbert Weltler findet ihr weiter unten).

Im Büro von Landesrätin Eisenkopf wird festgehalten, dass das Aussetzen von Tieren zur Bestandssicherung weiterhin möglich sein soll – „aber in Maßen und nur unter Auflagen“. Diese sollen mit dem Gesetz im nächsten Jahr festgeschrieben werden. Spätestens bis zum Sommer soll die Novelle beschlossen werden und die Regeln auch für Behörden leichter kontrollierbar machen.

Seitens des Jagdverbandes beteiligt man sich an den Vorgesprächen; auf BVZ-Anfrage wird betont, man setze sich intensiv mit dem Thema auseinander.