„Regina wills wissen“: Petrik im Pflege-Einsatz. Grünen-Landessprecherin Regina Petrik absolviert wieder ein Kurzpraktikum – diesmal im Altenwohn- und Pflegeheim Steinbrunn.

Von Alexandra Gollubics-Prath. Erstellt am 05. Juni 2019 (05:45)

Nach 2014 und 2017 will es die grüne Frontfrau abermals wissen: Für vier Tage im Juni taucht Regina Petrik wieder hautnah in ein völlig anderes Betätigungsfeld ein. Sie absolviert ein ehrenamtliches Praktikum im Altenwohn- und Pflegeheim Steinbrunn – die BVZ war an ihrem ersten Arbeitstag exklusiv dabei.

Bereits vor fünf Jahren war Petrik für kurze Zeit im Pflegeheim der Diakonie in Gols tätig. Diesmal wolle sie aber einen Eindruck „von innen“ in Alltag und Bedürfnisse eines kleineren Pflegeheims gewinnen: „Beim ,Zukunftsplan Pflege‘ des Landeshauptmannes geht es sehr viel um Zahlen, wie etwa um die notwendige Größe eines Heims. Berechnungen sind natürlich auch wichtig, was mir aber fehlt, ist der Mensch an sich. Es geht mir um verschiedene Perspektiven.“

Die neue Praktikantin ist für die sechzehn Bewohner des Heimes jedenfalls eine willkommene Abwechslung. „Die kenne ich ja aus dem Fernsehen“, heißt es des Öfteren. Petrik selbst füllt unterdessen Gläser auf, hilft beim Verbandwechsel oder sucht das persönliche Gespräch. Jemandem von außen würden die Bewohner oft sogar leichter ihre Sorgen oder Ängste mitteilen als vertrauten Personen, zeigt sich Heimleiterin Petra Thek für die Unterstützung dankbar.

Familiäre Atmosphäre

Bereits am ersten Arbeitstag sei ihr vor allem die familiäre Atmosphäre im Altenwohn- und Pflegeheim Steinbrunn positiv aufgefallen, hebt Petrik hervor: „Man merkt schon sehr, dass hier alles sehr auf die Beziehung zueinander aufgebaut ist.“ Zustimmendes Kopfnicken von Anna Steurer aus Neufeld, die gerade ihre Mutter besucht: „Das große Plus dieses Heims ist sicher, dass es klein ist und dadurch die persönliche Betreuung so gut möglich ist.“ Die Nachfrage sei auch groß, schildert Thek: „Wir sind völlig ausgelastet, auch die Warteliste ist lang und fast täglich erhalte ich Anrufe, wo akut ein Platz gebraucht würde, ich aber ablehnen muss.“

Die Bewohner kommen in erster Linie aus Steinbrunn selbst oder aus der näheren Umgebung – für Petrik ein gelungenes Beispiel wohnortnaher Pflege. Um die Heimbewohner kümmern sich –  Heimleiterin inklusive – zwölf Personen.

Während zuletzt seitens des Landes das erste dreisprachige Pflegeheim, nämlich in Schandorf, angekündigt wurde, sei hier in Steinbrunn Mehrsprachigkeit bereits gelebte Realität, so Thek: „Bei uns wird außer Deutsch auch noch Kroatisch und Ungarisch gesprochen, das hat sich so entwickelt." Mit dem oftmals zitierten Pflegepersonal-Mangel hat Thek kürzlich erste Erfahrungen gemacht: „Mein Team ist seit Beginn an dabei, Personalprobleme waren also lange nicht wirklich ein Thema. Jetzt sind aber zuletzt Pensionierungen angestanden und diese gut nachzubesetzen, hat sich doch als schwierig gezeigt."

Wünsche an die Politik

Gerade als Betreiberin eines kleinen Heimes fühle man sich von der Politik aber „nicht so recht wahrgenommen“, kritisiert Thek. Dass Heime künftig nur mehr gemeinnützig betrieben werden dürfen, habe sie aus den Medien erfahren, so Thek: „Es kränkt, denn es kommt so rüber, als würde man es nur machen, um Gewinn zu erzielen.“

Sie selbst sei 2004 als vormalige Hauskrankenpflegerin „ins kalte Wasser gesprungen", habe für den Bau des Heims keine Förderung erhalten, ihr Privathaus als Pfand eingesetzt und könne auch heute auf „kein Geschäftsführergehalt" verweisen. Und dann „sagt ein ,Zukunftsplan Pflege‘, du wirst  von der öffentlichen Hand unterstützt, wenn du in ein großes Haus gehst, aber nicht, wenn es ein kleines ist," ortet Petrik eine Ungleichbehandlung.

Die Heimleiterin selbst wünscht sich „mehr Wertschätzung, dass gesehen wird, dass auch in kleinen Heimen Qualität passiert und dass nicht das Wirtschaftliche im Vordergrund steht, sondern der Mensch." Dass jene, die wie Petra Thek in der Praxis stehen, gehört werden, sei ein Hauptanliegen ihres Praktikums, betont die grüne Landessprecherin.  Ihre persönlichen Eindrücke will Petrik deshalb auch in ihrem Online-Blog teilen.