Neo-Landesrat Illedits: „Mehr Service für Gemeinden“. Sozial- und Sportlandesrat Christian Illedits (SPÖ) sprach mit der BVZ über den Wechsel von der Präsidenten- auf die Regierungsbank und seine Ziele in Sport und Politik.

Von Markus Stefanitsch. Erstellt am 13. März 2019 (12:41)
Richard Vogler
„Jede Ebene soll das machen, was sie am besten kann.“ Landesrat Illedits will nicht zu sehr in Gemeinde-Kompetenzen eingreifen. Foto: Vogler

BVZ: Was war Ihr Beweggrund, als Landesrat in die aktive Politik zurückzukehren? War das Amt des Landtagspräsidenten für Sie zu „langweilig“?

Christian Illedits: Im Gegenteil, mir war keinen Tag langweilig. Ich habe das Präsidenten-Amt sehr gerne ausgeführt. Den Vorschlag des Landeshauptmannes, in seinem Team mitzuarbeiten, habe ich sehr gerne angenommen. Ich glaube, dass ich aufgrund meiner langjährigen politischen Erfahrung ins Team geholt wurde. Gemeinsam können wir viel erreichen.

Man hört, es gab auch Zeiten, wo die Chemie zwischen Ihnen und dem neuen Landeshauptmann nicht ganz so friktionsfrei war und dass er den „mächtigen Illedits“ einbinden hat müssen …

Friktionen habe ich keine in Erinnerung, aber verschiedene Meinungen können sehr wertvoll sein – und so mächtig bin ich nicht (lacht). Hans Peter Doskozil hat sich sicher gut überlegt, mit wem er in Zukunft zusammenarbeiten möchte.

Worin unterscheidet sich das Arbeiten im Team Doskozil von dem im Team von Hans Niessl?

Beide haben ihre eigene Persönlichkeit und auch die Zeit hat sich verändert. Unter Hans Niessl war ich der längstdienende Klubobmann, Hans Peter Doskozil hat mich jetzt in sein Team geholt. Beide geben Vollgas für das Burgenland.

Welche Projekte möchten Sie möglichst rasch umsetzen?

Schwerpunkte sind der Zukunftsplan Pflege und der Breitband-Ausbau. Das sind große Chancen für das Land. Es ist mir wichtig, alle Anliegen mit den Gemeindeverantwortlichen zu erarbeiten. Daher betrachte ich die burgenländischen Bürgermeisterinnen und Bürgermeister als wichtige Partner und werde deshalb den Service für Gemeinden optimieren.

Wo werden die Hebel angesetzt? Im Südburgenland kämpft man mit Abwanderung, im Norden mit Zuwanderung. Wo kann die Politik einwirken?

Gemeindezusammenlegungen sind im Burgenland keine Lösung – wir werden die interkommunale Zusammenarbeit stärken, der Abwanderung mit verschiedenen Maßnahmen entgegenwirken. So soll durch den Breitband-Ausbau die Jugend in der Gemeinde gehalten werden.

Als langjähriger Bürgermeister wissen Sie ja, wo der Schuh drückt und dass die Bürokratie zunimmt. Was kann man rasch umsetzen oder abschaffen?

Genau das will ich mit den Gemeindevertretern besprechen – wo man die Kompetenzen künftig hinverlagern soll. Jede Ebene soll das machen, was sie am besten kann. Das heißt nicht, dass man es nicht kon-trollieren soll, aber man soll auch nicht mit zu viel Landes- oder Bundesgesetzen eingreifen.

Wie werden Sie das machen, nicht nur für „rote“ Gemeinden da zu sein?

Gemeinden zu unterstützen ist meine Aufgabe. Ich werde daher mit allen Gemeinden auf Augenhöhe zusammenarbeiten.

Eine Umfrage zur Pflege hat ergeben, dass 98 Prozent zuhause alt werden möchten. Welche Erkenntnisse gewinnt man daraus?

Die Ergebnisse sind wichtige Bestandteile für den Zukunftsplan Pflege. Bislang gab es in Österreich noch keine so große repräsentative Umfrage zu diesem Thema. Über die Wünsche nur zu mutmaßen, war uns zu wenig.

Wie viele Menschen sollen künftig zuhause und wie viele in Heimen gepflegt werden?

Für uns steht der Mensch im Mittelpunkt. Wir möchten für jede und jeden das beste Angebot finden. Dieses muss der Situation, in der sich die zu Pflegenden befinden, gerecht werden. Genau dafür wurden auch die Pflegeberater in jedem Bezirk eingesetzt.

Zu Ihrem Aufgabenbereich Sport: Hat dieser im Burgenland, abgesehen von Fußball, den nötigen Stellenwert?

Durch Hans Niessl hat Sport sicher einen größeren Stellenwert bekommen. Mein Ziel ist es, allen Sportarten die nötige Unterstützung zu geben. Wir haben eine tolle Aufwärtsentwicklung im Spitzensport, aber es gibt auch erschreckende Zahlen in der Diagnose des Gesundheitszustandes junger Menschen. Daher ist die verpflichtende Bewegung im Schulbereich enorm wichtig. Hier muss man Initiativen setzen, um gesündere Jugendliche zu haben.

Was sagen Sie zur folgenden Schlussfolgerung: Ohne Obmann Martin Pucher kein SV Mattersburg, ohne SVM keine Fußballakademie im Burgenland?

Für den Fußball im Burgenland, aber auch für die Absicherung der Akademie als Kaderschmiede ist der SVM in der höchsten Spielklasse ein Muss. Für den SVM, die Akademie und mich persönlich ist es wichtig, dass Martin Pucher noch sehr lange so aktiv wie jetzt bleibt.

Zum Breitband: Bis wann hat jeder Burgenländer einen guten Breitband-Ausbau?

So schnell wie möglich! Heuer wird die Strategie entwickelt, danach findet die Umsetzung statt. Der Bund hat das Ausbau-Ziel bis 2020 definiert. Das streben auch wir an.

Sie bleiben auch im Ausschuss der Regionen in Brüssel vertreten. Was steht da am Programm?

Es werden noch einige Sitzungen stattfinden, dann werden sich viele zum Wahlkämpfen zurückziehen. Wir bemühen uns, die Nachfolgeförderung wieder sicher ins Burgenland zu bringen.

Glauben Sie, dass die SPÖ die Absolute Mehrheit holen muss, um den Landeshauptmann zu stellen?

In Zeiten wie diesen, ist immer offen, welche Konstellationen eine Landeshauptmann-Wahl ermöglichen. Eine Absolute Mehrheit zu holen, ist sehr schwierig, aber das erklärte Ziel ist, so viele Stimmen wie möglich dazuzugewinnen.

Sie gelten als großer Netzwerker. Wo holen Sie sich Ratschläge?

Von vielen unterschiedlichen Seiten. Ich treffe täglich Menschen, von denen ich Vieles mitnehmen kann. Es ist auch sehr erfrischend, regelmäßig mit dem Landeshauptmann zu diskutieren, weil er interessante Zugänge zu den Themen hat.

Interview: Markus Stefanitsch