Ragweed als „Landplage“: Debatten wegen Gesetz. Unkraut plagt Allergiker und Bauern: Ab 2020 muss Ragweed gesetzlich entfernt werden – das sorgt auch für Diskussionen.

Von Wolfgang Millendorfer. Erstellt am 14. August 2019 (05:48)
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Ragweed auf einem Feld bei Eisenstadt.

Dass die Ragweed-Blütezeit voll eingesetzt hat, bekommen derzeit oft sogar jene zu spüren, die gar nicht allergisch sind. Das aggressive Unkraut wird heuer vor allem im Südburgenland verstärkt gesichtet, aber ebenso im Norden; in Eisenstadt etwa haben sich besorgte Anrainer bereits an die Politik gewandt.

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Ragweed auch auf den Gemeindestraßen …

Der Gesetzgeber kann aktuell aber nur auf Bewusstseinsbildung setzen: Geht eine Meldung in der Ragweed-Koordinationsstelle ein, wendet sich diese an den Grundbesitzer und bittet um Entfernung. Ab 2020 soll sich dies ändern, dann wird aus der Bitte eine Aufforderung.

Im Herbst soll ein Gesetz im Landtag beschlossen werden, das in seiner Strenge bundesweit einzigartig ist: Alle Grundeigentümer – private ebenso wie etwa Gemeinden – werden verpflichtet, das Unkraut zu entfernen. Bis zu 3.000 Euro Strafe sind bei Verstößen vorgesehen, im äußersten Fall wird eine kostenpflichtige Räumung angeordnet.

Berlakovich: „Landesregierung geht den falschen Weg“

Gefürchtet ist Ragweed nicht nur bei Allergikern, sondern auch bei Landwirten, der österreichweit geschätzte Ernteschaden wird mit bis zu 100 Millionen Euro beziffert. Besonders betroffen sind Soja oder Sonnenblumen; bei Bio-Betrieben kommt hinzu, dass zur Bekämpfung keine Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden können.

Während die Regierungsparteien SPÖ und FPÖ von einem „Meilenstein“ sprechen, warnen ÖVP und Landwirtschaftskammer davor, die Frage „auf dem Rücken der Bauern und Grundbesitzer auszutragen“.

„Ragweed zu bekämpfen, ist richtig“, sagt Kammer-Präsident Nikolaus Berlakovich, „aber die Landesregierung geht den falschen Weg.“ Mit den angedrohten Strafen werde „nicht nur über Landwirte, sondern über alle Grundbesitzer drübergefahren“. Nun wünscht man sich Ausgleichszahlungen für zu erwartende Ernte-Ausfälle.

Als zuständige Landesrätin betonte Astrid Eisenkopf (SPÖ), dass Strafen „immer das letztmögliche Mittel“ seien. Ausgleichszahlungen sind jedoch vom Land nicht vorgesehen, das Gesetz komme „ja auch der Landwirtschaft zugute“.