Köstinger im BVZ-Interview: „Qualität setzt sich durch“. ÖVP-Ministerin Elisabeth Köstinger sprach beim Burgenland-Tag mit der BVZ über den „Förder-Kampf“, Chancen für den ländlichen Raum und Kritik an der Bundesregierung.

Von Wolfgang Millendorfer. Erstellt am 14. Februar 2018 (06:29)
BVZ
„Hart in die EU-Verhandlungen gehen.“ Landwirtschafts-, Tourismus- und Nachhaltigkeitsministerin Elisabeth Köstinger im BVZ-Interview.

BVZ: Bei der Landwirtschaftskammer-Wahl treten mit vier Fraktionen so viele wie nie an. Wie wichtig ist diese Wahl aus Ihrer Sicht?

Elisabeth Köstinger: Sehr wichtig, denn es geht um die Interessensvertretung. Der ländliche Raum und unsere landwirtschaftlichen Familienbetriebe sind auch ein Schwerpunktthema dieser Regierung.

Was die Befürchtung von Kürzungen der EU-Mittel angeht, haben Sie von einem Kampf „David gegen Goliath“ gesprochen. Wie will man den Kampf gewinnen?

Mit den besseren Argumenten. Es geht auch darum, welches Lebensmittelmodell der Zukunft wir wollen. Wir setzen auf bäuerliche Strukturen versus Massentierhaltung und nicht zuletzt produzieren wir im Anbau 100 Prozent gentechnikfrei. Dieses Mehr an Qualität und Leistung muss auch abgegolten werden. Da haben wir auch die Konsumenten an Bord, weil es den Leuten nicht egal ist, wo und wie produziert wird.

Wir wollen bürokratische Fehler zurücknehmen

Wo sehen Sie im Burgenland Chancen oder Versäumnisse?

Das Burgenland ist hervorragend im Weinbau und das zeigt auch, dass sich Qualität am internationalen Markt durchsetzt. Das gilt für alle anderen Bereiche ebenso. Ich glaube, dass wir noch stärker auf Kooperationen setzen müssen. Der bäuerliche Betrieb ist ja nicht alleine im ländlichen Raum, er ist verknüpft mit Wirtschafts- und Dienstleistungsbetrieben und mit dem Tourismus.

Welche künftigen Schritte sind im Tourismus entscheidend?

Wir wollen bürokratische Fehler zurücknehmen, etwa um im Beherbergungsbereich wieder Investitionen zu ermöglichen. Es geht mir vor allem auch um unsere Landgasthäuser, denen man mehr Luft verschaffen muss, was Auflagen und Kontrollen angeht.

Da drängt sich auch die Frage nach dem Rauchverbot auf. Geht es nicht auch ohne Rauch? Es gibt jetzt ja das Modell der freiwilligen Nichtraucherlokale.

Alles, was freiwillig ist, ist sowieso herzlich willkommen. Für jene Gasthäuser, die viel Geld in die Hand genommen und den Raucherbereich getrennt haben, ist das generelle Rauchverbot schon problematisch gewesen. Dass wir uns im gesundheitlichen Aspekt freuen, wenn es zum freiwilligen Verzicht kommt, steht außer Frage.

Das Thema war ja auch eine Diskussion in den Koalitionsverhandlungen. Hat man nach anfänglicher Kritik an der Regierung jetzt die Zeit, in Ruhe zu arbeiten?

Kritik nehmen wir grundsätzlich sehr gelassen hin. Sie ist ja oft ideologisch begründet, weil es nur darum geht, dass eine Partei ihre Macht verloren hat. Wir haben vom ersten Tag an gezeigt, dass wir unser Regierungsprogramm abarbeiten wollen.

Braucht es auch einmal einen Ordnungsruf, etwa, wenn die FPÖ wie zuletzt in die Kritik gerät?

Wir mischen uns in die Angelegenheit des Koalitionspartners nicht ein, das gilt auch vice versa. Wenn es Problemfälle gibt, wird natürlich diskutiert, aber intern. Ich glaube, das unterscheidet uns von der vorherigen Regierung.

Die SPÖ im Land ist der Bundesregierung gegenüber kritisch. Man muss aber zusammenarbeiten …

Ich glaube, dass sich Landeshauptmann Niessl da eher ein bisschen abkapselt. Inwieweit das für das Burgenland gut ist, sei dahingestellt. Und wenn Blau Teil der Regierung im Burgenland sein kann, kann man nur wenig daran kritisieren, wenn es im Bund so ist. Ich glaube, dass es auf Arbeitsebene aber gut funktionieren wird.

Wie sind die ersten Wochen als Ministerin für sie verlaufen?

Natürlich sehr intensiv, weil wir Tag und Nacht an unserem Programm arbeiten. Wir haben das Landwirtschaftsministerium mit dem Nachhaltigkeitsbereich und dem Tourismus aufgewertet. Jetzt gilt es, diese neue Chance zu nutzen.

Interview: Wolfgang Millendorfer