Ungarn-Grenze: Viel Lärm um nichts?. Laut Wirtschaftskammer Erleichterungen für Geschäftsreisende, aber auch Berufspendler. Weitere Grenzübergänge für landwirtschaftliche Nutzung geöffnet.

Von Alexandra Gollubics-Prath. Erstellt am 10. September 2020 (05:49)
Insgesamt rund 18.000 Ungarn sind laut Wirtschaftskammer im Burgenland tätig, darunter auch zahlreiche Ernte- und Weinlese-Helfer.
Markus Wagentristl

Leichtes Aufatmen im Burgenland: Nach anfänglicher Aufregung um die mit Monatsbeginn verschärften Einreisebestimmungen nach Ungarn und Verunsicherung infolge zahlreicher offener Fragen scheint sich die Lage jetzt weiter zu entspannen.

Einer Novelle der Verordnung der ungarischen Regierung vom vergangenen Wochenende zufolge soll es für Berufspendler und den gewerblichen Verkehr „kaum mehr Beschränkungen“ geben, berichtete jedenfalls Ewald Hombauer, Leiter der Abteilung Außenwirtschaft und EU in der Wirtschaftskammer Burgenland auf BVZ-Anfrage: „Die sogenannte 30 Kilometer-Regelung etwa ist gefallen. Es sollte für österreichische Gewerbetreibende und auch für ungarische Berufspendler kein Problem sein, ohne regionale und ohne zeitliche Einschränkung die Grenze zu passieren.“

Berufspendler sollten aber weiterhin eine Arbeitsbestätigung des österreichischen Arbeitgebers dabei haben. Heimische Geschäftsleute sollten den wirtschaftlichen Zweck ihrer Reise glaubhaft machen können. „Wir empfehlen, außer des Musterformulars auch eine Auftragsbestätigung oder etwa Terminvereinbarung vorlegen zu können“, betont der Experte.

Öffnungen ersparen „weite Umwege“

Nach Gesprächen mit den ungarischen Behörden sind zur Erleichterung der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung außerdem weitere Grenzübergänge zu Ungarn (Rechnitz, Eberau, Lutzmannsburg und Neumarkt a. d. Raab) geöffnet worden. Dadurch würden „weite Umwege“ eingespart, zeigte sich Landwirtschaftskammer-Präsident Nikolaus Berlakovich dankbar.

Entgegen ursprünglicher Befürchtungen hätten sich bis dato für die landwirtschaftlichen Arbeitskräfte aus Ungarn auch so gut wie keine Probleme an den Grenzen aufgetan, heißt es aus der Kammer. Nur ganz vereinzelt seien etwa Weinlese-Helfer aus „Angst und Unsicherheit“ hinsichtlich etwaiger Schwierigkeiten von vornherein ferngeblieben, ergab auch die Nachfrage bei Wein Burgenland.

Auch seitens der KRAGES sowie der Barmherzigen Brüder waren bisher „keine Auswirkungen“ personeller Natur spürbar, die zur Verfügung stehenden Dienstwohnungen mussten nicht genutzt werden. Ebenso wenig hätten sich die Sorgen der burgenländischen Gastronomie und Beherbergungsbetriebe, die rund 3.200 ungarische Arbeitskräfte beschäftigen, bestätigt, zeigte sich Spartengeschäftsführer Franz Perner erleichtert.

Für die Wirtschaft „passt es derzeit“, bekräftigt Hombauer: „Wir hoffen, dass die Kontrollen in einem vernünftigen Rahmen bleiben. Was weiters kommt, – da kann man nur abwarten.“